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Die Geschichte Chronopia's

Wir schreiben das Zeitalter der Finsternis.
Die alten Götter haben die Welt verlassen.
Neue, düstere Gottheiten blicken nun auf die Rassen der Welt herab und laben sich am Leid des Krieges und den Seelen der Verlieren.
Seit dem Tag des Schreckens ist nichts mehr, wie es war, die friedvolle Vergangenheit nur noch ein längst vergessener Traum. Dunkle Stürme ziehen herauf - das Firmament färbt sich finster und blutrot, während die Flut eines neuen Kriegs über das geschundene Land donnert.
Ein einzelner Mann machte sich in einem atemberaubenden und verzweifelten Unterfangen auf, sein Volk zu retten. Er schlug die Mächte der Hölle zurück, eroberte den Strom der Zeit und wurde wiedergeboren. Um im Moment der höchsten Not gegen das Böse anzutreten, wenn es wie nie zuvor über die Welt hereinbrechen sollte. Hoch oben sitzt einsam in seinem Turm der Ewigkeit der Wahrhaftige König von Chronopia - auf der Suche nach dem Wesen von zeit und Raum, nach einer Möglichkeit, ihre unendlichen Energien zu nutzen. Ihm offenbaren sich Zukunft und Vergangenheit, und doch steht er vor der Entscheidung, einen Weg wählen zu müssen, und das Unwägbare abzuwägen. Visionen verfolgen ihn, die Alpträume seiner Zweifel.
Hatten gerade seine Handlungen zu diesen fürchterlichen Ereignissen geführt, wo er doch alles getan hatte, um genau dies zu verhindern? Wie subtil und vorsichtig mußte er bei der Gestaltung unser Zukunft vorgehen, um uns von dieser höllischen Prophezeiung zu erlösen?
"Manchmal sehe ich in meinen düsteren Visionen am Rande meiner Wahrnehmung IHN selbst. Er ist noch nicht mächtig genug. Doch es wird nicht mehr lange dauern. Pausenlos sucht er nach einem Weg in das Gefüge der Realität unseres Universums, mit dem einzigen Ziel, unsere Existenz auszulöschen."
Aber nun naht die Zeit.
Die Welt ist an einem Wendepunkt angelangt, die Zukunft auf Messers Schneide. Vereint hätten die Rassen der Sterblichen die Chance, den Sturmangriff der Hölle zurückzuschlagen, doch getrennt erwartet sie der sichere Untergang.

Dies ist die Welt von Chronopia.

Der Sturz der Erstgeborenen

"Flammen verzehren das Land. Leichen brennen. Die Glücklichen sind bereits tot, den allen anderen bleibt nur Leid, endloser Kampf und schließlich doch der Tod. Das magische Feuer der elfischen Lotushexer setzt das Firmament selbst in Brand, die rasenden Schwarzblüter überrollen die Länder der Erstgeborenen, und Zwerge, die nur noch den Tod suchen, hetzen ihre entsetzlichen Blutbestien aufs Schlachtfeld. Über all dem steht der Wahrhaftige König. Der legendäre Erlöser der Erstgeborenen, der zur Zeit ihrer größten Bedrängnis zurückkehrte, nur um eine noch viel größere Gefahr in die Welt zu setzen. Die größte Bedrohung, die die Welt je sah, in Form der Lakaien, dieser abscheulichen Höllenbrut, die außerhalb unseres sterblichen Fassungsvermögen steht und nach dem Fleisch alles Lebenden und den Seelen der Verdammten giert. Wir schreiben die Tage des Feuers, in denen unsere Welt brennt, und das tragische Zeitalter der Vergeltung, in dem alle Stämme wutentbrannt einander zu vernichten trachten und doch nur selbst ums Überleben kämpfen."
- Aus den Chroniken des Blutes

Vor dieser Zeit des erneuten Blutvergießens gab es einen Art Frieden. Vor der Versklavung der menschlichen Rasse existierte ein Imperium, wie es nie zuvor und auch danach nicht wieder gesehen wurde. Es existierte Hoffnung in der Welt. Doch innerhalb nur eines Menschenalters ging sie verloren. Verweht mit der blutschwangeren Asche der Zeit.
Ein körperloser Schrei hallte durch die Schöpfung, ein Alptraum in den Nächten der Sklaverei. Das Königreich der Erstgeborenen war eines der stolzesten, das die Welt je gesehen hat, und beschwor den Neid aller anderen Rassen herauf. Die Herzöge der mächtigen Elfenhäuser, die Zwerge in ihren monumentalen Ringfesten und Schwarzblüter in ihrem ausgedehnten Östlichen Imperium, sie konnten nur zusehen, wie die Erstgeborenen an die Macht gelangten ... und Komplotte zur Zerstörung ihres Reiches schmieden.

Alles begann mit dem Mann, der als Wahrhaftiger König der Erstgeborenen einst zu unermeßlichen Ruhm gelangen sollte. Sein wahrer Name ging im Schatten der Zeit verloren, doch seine Macht wird noch immer gefürchtet. In diesen frühen Tagen der Geschichtsschreibung war die Welt wild und jung. Erst der Wahrhaftige König trat an, sie zu zähmen. Bevor er seinen zwanzigsten Sommer feierte, hatten ihm nahezu alle Stämme der Erstgeborenen die Treue geschworen.

Nur ein Stamm, der später als der Stamm des Blutrausch bekannt werden sollte, lehnte es ab, sich vor dem Wahrhaftigen König zu verneigen. Unter ihrem Anführer, dem jungen Wilden mit dem Namen Kronos A'Kallach, lehnten es die Babaren aus dem Norden ab, nach anderen gesetzten als den ihren zu leben. Mit der steigenden Macht des Wahrhaftigen Königs wuchsen auch die Spannungen zwischen diesem und Kronos. Eine Zeitlang schien es, als sei eine Konfrontation der beiden unausweichlich. Viele sprachen davon, die meisten mit mehr als nur einem Hauch von Furcht. Denn obgleich die Streitkräfte des Wahrhaftigen Königs weitaus größer waren als die des Kronos, waren Tapferkeit und Brutalität des letzteren im gesamten Land bekannt, und die Ratgeber des Wahrhaftigen Königs rieten ihm, einen Konflikt zu vermeiden.

Die Rassen außerhalb des neuen Königreiches begannen bereits, flüsternd ihre Stimmen gegen die Erstgeborenen zu erheben, und ein Bruderkrieg würde das Königreich verwundbar machen, besonders gegenüber den Elfen, die das Reich der Menschen mit gierigen Augen betrachteten. Letztlich waren es jedoch die Elfen selbst, die die neue Ordnung brachten. Im Glauben, ihre Zeit sei gekommen, begannen sie mit ihrem Sturm auf die Heimstatt des Wahrhaftigen Königs, die Stadt der Ewigkeit. Vierzehn Tage und vierzehn Nächte hielten die Streitkräfte der Erstgeborenen der riesigen Elfenarmee stand.

Die Geschichtenerzähler der Erstgeborenen wissen viele Geschichten und Legenden aus dieser Zeit zu erzählen. Wie die von dem jungen Krieger Ragurn, der im Kampf gegen eine Schar von Elfenrittern starb, während er seiner Geliebten und ihrem Kind die Flucht ermöglichte. Von dem Boten Borak, der auf der Suche nach Hilfe geschickt wurde und sich mit letzter Kraft einen weg durch die Reihen der Elfen erkämpfte und in die Sicherheit durchbrach. Viele glaubten, man werde ihn nie wiedersehen, und als die Tage ins Land gingen, nahm man an, er sei entweder getötet worden oder habe sich entschieden, nicht mehr zurückzukehren. Aber dann, am sechzehnten Tag der Belagerung, als es den elfischen Drachenreißer beinahe gelungen war, die Stadtmauern zu durchbrechen, ertönte in der Ferne der durchdringende Klang eines einzelnen Horns. Dieser Moment wurde bekannt als Boraks Wiederkehr.

Der Wahrhaftige König selbst erblickte seinen Boten, und hinter ihm die vereinten Kriegerstämme des Kronos. Während die verschanzten Soldaten der Stadt nur zusehen konnten, ließen elfischen Schützen einen Pfeilhagel auf die Heranreitenden herabregnen, der den zurückkehrenden Helden durchbohrte. Als er auf die Knie fiel, richtete er seine letzten geflüsterten Worte an Kronos: "Rette mein Volk." Es wird gesagt, daß Kronos bis zu diesem Moment noch nicht entscheiden hatte, ob er seine Krieger zur Rettung des Wahrhaftigen Königs in den Kampf schicken sollte. Doch als er Borak sterben sah, fällte er seine Entscheidung.

Über viertausend Krieger der Erstgeborenen starben alleine an diesem Tag, doch nahmen sie die doppelte Zahl von Elfen mit sich. Man sagt, Kronos selbst habe Seite an Seite mit dem Wahrhaftigen König gekämpft und mit einem einzigen Schlag eine Drachenreißerbestie zur Strecke gebracht. Als der Sonnenuntergang nahte, zogen sich die Elfen zurück, blutend und gebrochen. Sie sollten viele Jahre lang keine Gefahr mehr für die Erstgeborenen darstellen, doch die Narben ihrer Niederlage saß tief, wie sich später zeigen sollte.

Als die Erstgeborenen ihren Sieg feierten, verneigte sich Kronos vor dem Wahrhaftigen König, lehnte es aber noch immer ab, ihm die Treue zu schwören. Die Stellung des Kriegerhäuptlings anerkennend, ernannte der Wahrhaftige König Kronos zu seinem Stellvertreter und zum Oberbefehlshaber der gesamten Armee der Erstgeborenen. Die zwei waren wie aus einem Stahl geschmiedet - etwas Härterem noch als Stahl. Man sagt, beide seien Nachfahren der Götter, die einst auf der Erde wandelten. Wer sie selbst sah, dem fiel es nicht schwer, das zu glauben. Vor den Augen ihrer Gefolgsleute schworen sich die beiden Krieger gegenseitige Treue, wurden zu Bluts- und Waffenbrüdern.
BR /> Die Jahre nach der Schlacht verstrichen schnell im Feuer der ruhmreichen Siege der Erstgeborenen. Die Stadt der Ewigkeit wurde vollendet, und selbst die verbitterten Elfen konnten nicht umhin, ihre Pracht zu bewundern. Im Herzen der Stadt errichtete der Wahrhaftige König seinen ersten Turm der Ewigkeit und entschied, daß er ein Zentrum des Wissen für die Weisen seines Volkes werden sollte.

Während der Schlacht mit den Elfen wurde er zum ersten Mal der Zauberei gewahr. Er wußte, daß, wenn seine Erfolge und Macht von Dauer sein sollten, die Erstgeborenen die Kunst der Magie erlernen mußten, um sich vor den anderen Rassen schützen zu können. Fortan verbrachte er so viel Zeit, wie er erübrigen konnte, mit dem Studium der alten Schriften seines Volkes und der Ausübung der Künste die als verloren galten.

Währenddessen weitete sich sein Reich stetig aus. Nach einer blutigen Schlacht bei Nereth schworen die Clans der Zwerge dem Wahrhaftigen König widerwillig ihre Treue. Die Schwarzblüter wurden bei Bezek und Araxus vernichtend geschlagen und zu einem Frieden genötigt. Selbst den Elfen wurde schließlich der Friede unter der Herrschaft der Erstgeborenen aufgezwungen, als die Häfen des Königs zu den wichtigsten der Welt und unumgänglich für den Handel der Elfenhäuser wurden. Doch der Groll der Elfen wuchs weiter. Selbst in dieser Zeit des Friedens verschworen sie sich gegen die Erstgeborenen und warteten auf die Gelegenheit, die ihnen in der Schlacht um die Stadt der Ewigkeit zugefügten Schande zu vergelten.

Der Frieden

Zwanzig Jahre lang herrschte Frieden auf der Welt. Die Erstgeborenen waren stark und erbauten eine gewaltige Flotte, um ihre Herrschaft selbst über die Meere hinweg auszudehnen. Den anderen Rassen wurden Handelssteuern auferlegt.

Die Zeit des Friedens nutzte der Wahrhaftige König, seine Forschungen weiterzutreiben. Doch seine Studien nahmen ihn immer mehr in Anspruch; so sehr, daß sie einen Keil zwischen dem König und Kronos trieben. Dieser mißtraute den magischen Kräften und glaubte alleine an die Kraft kalten Stahls.

Mit der Zeit wurde die Steuerlast der anderen Rassen immer größer, und sie wurden mit immer weniger Respekt behandelt. Dunkle Wolken zogen über dem Reich der Sonne herauf. Kronos erkannte die Gefahr und versuchte, den Wahrhaftigen König zu warnen, doch dieser war zu sehr in seine mystischen Studien vertieft und schenkte ihm kein Gehör. Den selbst seine engen Vertrauten wußten nicht, daß ihr Herrscher mittlerweile einen mystischen Blick gewonnen hatte. Er sah eine Zukunft voraus, in der Dämonen seine Welt beherrschten. Er sah, wie die Massen dem Herrscher der Finsternis geopfert wurden, und dunkle Ritter, die seinen Untertanen ihre Seelen raubten. Über den Ursprung der Dämonen wußte er nichts, doch er wußte, daß nur er sie aufhalten konnte. In seinen Visionen erkannte er, daß ihm an Macht niemand auf der Welt gleichkam.

Er erblickte seine Untertanen, gebrochen und versklavt, die Elfen im Krieg mit den anderen Rassen, die Zwerge zerstört von ihren eigenen Göttern. Er sah die Schwarzblüter allein gegen eine gewaltige Armee der Finsternis stehen und mußte immer wieder ihren Untergang mit ansehen. Er sah, wie der Ogerkaiser selbst als letzter fiel, sein Thronsaal schwarz vom Blut seiner Untertanen.

Der Wahrhaftige König erkannte instinktiv, daß es den anderen Rassen genauso ergehen würde. Wenn keine Pläne geschmiedet, keine Gegenmaßnahmen getroffen würden, würden seine Visionen Wirklichkeit werden und alles dem Bösen verfallen. Seine Visionen verfolgten und quälten den Herrscher der Erstgeborenen, doch langsam reifte ein Plan in ihm, mit dem er sein Königreich stärken und eine Dynastie errichten wollte, die auf das Nahen der Finsternis vorbereitet sein würde. In der der Hoffnung, sein Volk retten zu können, wenn es ihn am meisten brauchen würde, begann er nach Wegen zu suchen, den Fluß der Zeit und die Realität selbst zu beherrschen. Er beriet sich mit Kronos und seinen anderen Beratern. Gemeinsam ergründeten sie Wege, ihre Armeen zu stärken, die durch den Frieden undiszipliniert und faul geworden waren.

Er ahnte nicht, daß, während er die Rettung der Schöpfung plante, die Führer der anderen Rassen ihre eigenen Treffen abhielten - und etwas planten, das seinen Frieden zerstören und das Wasser der Meere mit dem Blut der Erstgeborenen tränken sollte.

Der Bund

Es ist nicht möglich, den Bund der Rassen zu verstehen, ohne die drei Rassen zu kennen, die ihn gründeten: Die Elfen, die Schwarzblüter und die Zwerge.
Die Gesellschaft der Elfen besteht aus einem komplexen Geflecht von Häusern, die alle um die Oberherrschaft ringen und doch alle miteinander verbündet sind. Über die Jahrhunderte hinweg hatten sich zwei Häuser durchgesetzt, das Haus des Kristall-Lotus und das Haus der Sonne. Von den schwächeren Häusern hatte besonders das Haus der Schwarzen Schlange schon immer nach mehr Macht und Einfluß gestrebt. Ohne eine klare Führung hatte es der Ausdehnung des Reichs der Erstgeborenen bedurft, um die Häuser gegen ihren gemeinsamen Feind zu vereinen, was Herzog Chropus auf die Idee brachte, das Bündnis der Häuser auf anderer Rassen auszudehnen.

Die Zwerge waren und sind noch heute weitaus weniger geeint als die Elfen. Ihre Gesellschaft besteht aus verschiedenen Clans, die durch Trauungen und Blutschwüre stark miteinander gebunden sind. Die in ihren gewaltigen Ringfesten lebenden Zwerge waren ebenso einzigartig wie ihre Götter, die einst in ihrer Mitte wohnten.

Und schließlich die Schwarzblüter, ein seltsamer Bund aus Orks, Goblins, Ogern und Trollen. Einst waren die Orks der Adel der Schwarzblüter, doch eine Reihe von blutigen Bürgerkriegen hatten zweihundert Jahre zuvor zu einer Erhebung und zur Entstehung einer mächtigen, herrschenden Elite der Oger geführt. Der damalige Ogerkaiser, Zabaka Blutverräter, gilt noch immer als der gewalttätigste Herrscher in der blutigen Geschichte seiner Rasse und riß einst seinem eigenen Bruder das Herz aus dem Leib, um den Thron zu erobern.

Die Führer dieser drei Rassen hielten geheime Zusammenkünfte ab. In vielen Nächten verschworen sie sich gegen den Wahrhaftigen König und planten einen Krieg gegen die Erstgeborenen. Die Elfen suchten Rache für ihre einstige Demütigung, die Zwerge Befreiung von ihrer schweren Steuerlast, und der Ogerkaiser sehnte sich nach Macht und den Freuden des Krieges. Man traf Absprachen, und es wurde ein Zeitplan beschlossen.

Der Bund wartete, bis Kronos die Hauptstadt verlassen hatte, um in seine Heimat im Norden zurückzukehren. Die Streitkräfte gingen in Stellung, die Magie der Lotushexer verbarg jedoch das Ausmaß ihrer Truppen vor den Patrouillen der Erstgeborenen. Elfische Drachenreißer und Kriegsschiffe sammelten sich und bereiteten sich auf die Zerstörung der Kriegsmarine und der Häfen der Erstgeborenen vor. Die Zwerge, angeführt von ihren wilden Clangöttern, vereinten sich und marschierten gen Osten, während die Schwarzblüter sich aus dem Westen näherten.

In der Morgendämmerung des Tages, an dem sich die Fertigstellung der Stadt der Ewigkeit zum 25. Mal jährte, griffen sie an. Und mit dem Aufgang der Sonne begann der Untergang des Ersten Königreichs.

Der Sturz

Die Erstgeborenen waren auf einen Krieg gegen eine derart große Streitmacht nicht vorbereitet. Bereits am ersten Tag erlangten die Zwerge die Kontrolle über die alten Städte Aregath und Kardeyl. Die Schwarzblüter wüteten verheerend und hinterließen eine Spur aus Tod und Zerstörung. Auf den Meeren zerstörten die Drachenreißer der Elfen die gesamte Flotte der Erstgeborenen mit einem einzigen brutalen Schlag und machten den Haupthafen von Nereth dem Erdboden gleich.

Als die Nachricht von der Offensive den Wahrhaftigen König in der Stadt der Ewigkeit erreichte, konnte es sich nur noch um Tage handeln, bis die drei Armeen die Hauptstadt würden und die Erstgeborenen, die nicht schon tot waren, überrannt und versklavt worden waren.

Die Zwerge versperrten Kronos und seiner Armee den Weg nach Süden, der so seinem Blutsbruder nicht zur Hilfe eilen konnte. Am Belak-Paß trafen seine Streitkräfte und die von Kahlin Kag'n geführte Zwergenarmee aufeinander und schlugen eine Schlacht, die mehrere Tage dauerte. Tausende starben auf beiden Seiten, doch die Zwerge hielten die Streitkräfte von Kronos zurück.

Während diese Schlacht im Norden tobte, marschierten die Elfen und Herzog Chropus, dem Oberhaupt des Hauses der Schwarzen Schlange, und die Armee der Schwarzblüter unter Zabaka Blutverräter aus entgegengesetzten Richtungen auf die Hauptstadt zu. Tagelang herrschte Totenstille in der Hauptstadt der Erstgeborenen. Der Wahrhaftige König hatte sich in seinem Turm der Ewigkeit eingeschlossen, und düstere Blitze durchzuckten den Himmel über dem Turm. Die führenden Gelehrten und Weisen wurden versammelt. Die Erstgeborenen waren aufgewühlt. Die ersten Gerüchte machten die Runde - der wahrhaftige König sei im Turm gestorben - er habe Frieden mit dem Bund geschlossen und sein Königreich verkauft, um es zu retten - er sei verrückt oder habe sich ergeben oder beides zusammen!

Erst als die Armeen des Bunds vor den Toren der Stadt standen und sich auf den entscheidenden Angriff vorbereiteten, zeigte sich der Wahrhaftige König. Er trug seinen Kampfpanzer, hatte seine Auserwählten hinter sich versammelt und war bereit für das letzte Gefecht. Bereit zum Sterben. Er stellte sich den Streitkräften des Bundes der Rassen auf den Feldern vor der Stadt der Ewigkeit. Die Lotushexer beschworen Golems aus der Erde und die Töchter des Phönix aus der Luft. Die Roten Lotushexer verwandelten alleine eine ganze Einheit Erstgeborener Ritter in glühende Asche. Der Kampf tobte vier Tage lang, doch die Truppen des Wahrhaftigen Königs waren in der Unterzahl. Sie wurden zum Rückzug in die Hauptstadt gewrungen und die einzige Hoffnung lag ein weiteres mal auf Kronos und seinen Blutrausch.

Ihre Ankunft konnte das Königreich noch retten. Doch im Norden erschwerten der stärkste Schneesturm, der jemals gesehen wurde, die Schlacht gegen den unnachgiebigen Kahlin Kag'n. Tausende gaben ihr Leben, und dennoch konnten die Blutrausch ihren Brüdern nicht zu Hilfe eilen. Und ohne sie waren die Erstgeborenen verloren.

Das Zeitalter der Finsternis

Die Zeit von den Anfängen der Lakaien bis zum Aufstieg der Propheten und ihrer dämonischen Königreiche wird häufig als Zeitalter der Finsternis bezeichnet. Für viele Bewohner Chronopias trifft dies die Wahrheit nur zu gut, denn die Welt ist heute finsterer als je zuvor. Selbst Brüder töten einander, und der Tod lauert überall. Dieser Begriff wird auch manchmal verwendet, um all derer zu bezeichnen, die ihre Rasse verrieten und sich den Lakaien anschlossen.

Der Tod des Wahrhaftigen Königs

"Und als die Feuer der Schlacht erloschen, gab es die Stadt der Ewigkeit nicht mehr. Der Wahrhaftige König war tot. Mit ihm war die Hoffnung gestorben. Es war das Ende des Ersten Königreichs und der Beginn des Zeitalters der Sklaverei."
- Aus den Chroniken des Blutes

Nach zwei Wochen des Kampfes erstürmten die Streitkräfte des Bundes die Stadt. Zabaka selbst wütete im Herzen des Chaos, und seien Schwarzblüter brachten den Tod, wo immer sie auftauchten. Die Elfenarmee unter Herzog Chropus stand den Schwarzblütern an Grausamkeit in nichts nach und rächte sich blutig für die Niederlage, die sie Jahrzehnte zuvor erlitten hatten. Es war eine Kakophonie von Schmerz und Blutvergießen. Der Lärm des klirrenden Stahls hallte wie Donner durch die brennenden Straßen. Und im Zentrum des Malstroms stand der Wahrhaftige König.

Viele glaubten, er sei am Ende dem Wahnsinn verfallen und dem Blutrausch erlegen. Zabaka Blutverräter kämpfte sich einen Weg zum Anführer der erstgeborenen frei, wobei er dem Wahrhaftigen König in der gutturalen Sprache der Schwarzblüter wilde Beleidigungen entgegenbrüllte. Die beiden Herrscher trafen in einem Zweikampf aufeinander, der den Wahrhaftigen König seine linke Hand und den Ogerkaiser das Leben kostete. Doch noch bevor Zabakas Leichnam auf dem Boden zu seinen Füßen ausblutete stürzte sich Herzog Chropus hinterrücks auf den Herrscher der Erstgeborenen. Der Wahrhaftige König parierte den unerwarteten Angriff, und sofort entbrannte ein neues Duell der beiden Krieger auf den brennenden Wehrgängen hoch über der Stadt. Unter ihren Sohlen tobten die Flammen, die die Stadt vernichteten, und als ihre Klingen sich trafen sprühte der Haß in den Augen der beiden Männer.

Der Wahrhaftige König setzte dem Herzog schwer zu, während seine Leibgarde ihn vor den Angriffen anderer Elfen schützte, doch plötzlich und unvermittelt hörte er auf zu kämpfen. Er ließ sein Schwert zu Boden fallen, erhob sein müdes, vom Wetter gegerbtes Gesicht gen Himmel und begann zu lachen. Ein wahrer Wolkenbruch brach über die Stadt hernieder. Auch Chropus hielt inne, unsicher, was er tun sollte.

Die Luft begann vor magischer Energie zu knistern. Eisige Kälte kroch über den Schauplatz des größten Duells der Geschichte. Die sechs überlebenden Ritter der Leibgarde wandten ihre Blicke ihrem König zu, senkten ihr Haupt und begannen, arkane Formeln zu rezitieren. Erneut rissen Blitze den Himmel der Stadt auf, die plötzlich als blutrotes Feuer in den Turm der Ewigkeit einschlug. Die Züge des Wahrhaftigen Königs wurden ruhig; auf einmal glich sein Gesicht dem eines Toten, während er die mysteriösen Silben flüsterte.

Langsam trat ein dünnes, siegesgewisses Lächeln auf das Gesicht des Elfenherzogs, der sein Schwert erhob, der durch die aufgeladene Luft sirren ließ und mit einem sauberen Schnitt den Kopf des Wahrhaftigen Königs von seinem Körper trennte. Als er ihn berührte, um ihn aufzuheben und seinen Männern zu präsentieren, zerbarsten die sechs Ritter des Königs in Flammensäulen und verschwanden.

Die Erstgeborenen waren besiegt. Ihr Königreich existierte nicht mehr.

Das Massaker

Als sie den Tod ihres Herren sahen, senkten die Erstgeborenen ihre Waffen. Ihr Kampfgeist war gebrochen, ihr Mut verloren. Von den Elfenrittern und den Schwarzblütern jedoch konnte man dies nicht behaupten. Der Kriegermob wütete durch die Stadt und tötete jeden Mann, jede Frau und jedes Kind, das er fand. Die Leichname türmten sich zu riesigen Haufen, doch es war kaum noch zu erkennen, daß diese Körper einmal Menschen gewesen waren. Einige wenige Elfen vom Haus des Kristall-Lotus und dem Haus der Sonne versuchten, das grausame Massaker zu stoppen, konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Da sie nicht bereit waren, ihre Waffen gegen ihre Brüder zu erheben, verließen sie die Stadt.

Die Anhänger des Hauses der Schwarzen Schlange begingen in dieser Zeit furchtbare Verbrechen am Volk der Erstgeborenen und holten sich die Rache für die Niederlage, die nur wenige Jahrzehnte zurück lag. Bis heute glaubt man, daß eine Handvoll der Erstgeborenen dem Massaker entrinnen konnte, denn im wilden Chaos der nächsten Stunden verschwand auf mysteriöse Weise der Leichnam des Wahrhaftigen Königs.

Die Nachricht von dem Blutbad ließ die Angehörigen aller Rassen außerhalb der Stadt erschauern, doch niemand war so entsetzt wie die Zwerge. Bis auf zwei der Clans waren alle Zwerge angewidert von den Taten ihrer elfischen Verbündeten. Am Belak-Paß verfluchte Kahlin Kag'n das Haus der Schwarzen Schlange und seine Ehrlosigkeit. Er rief seine Männer zurück und gab den angeschlagenen, aber unbesiegten Barbaren sicheres Geleit.

Als die Männer auf dem Norden auf die Streitkräfte von Herzog Chropus trafen, warf der siegreiche Elf seine Standarte in den Himmel und setzte seine Streitmacht in Marsch auf die Truppen des Kronos. In der nun folgenden Schlacht schrie Kronos gellend nach Rache für den Mord an seinem Blutsbruder und kämpfte sich bis zu Chropus durch. Klinge über Klinge, Speer über Speer und Pfeil über Pfeil durchbohrten ihn, doch sein Zorn konnte nichts aufhalten. Der Blutrausch hatte ihn überwältigt, und nur das Blut seines toten Feindes an den Händen würde seinen Zorn stillen.

Als der Babarenhäuptling sich näherte, leuchtete die Angst in den Augen des grausamen Elfenherzogs auf, denn er wußte, daß der immer noch auf ihn zu stürmende Kronos längst tot war und dennoch nicht aufgab. Er erhob sein Schwert gegen den gewaltigen Zweihänder des Barbaren, doch bereits die Wucht von Kronos' erstem Angriff zerschmetterte die Elfenklinge. Als Kronos sich schließlich dem Tod ergab, war von Chropus nur noch ein Haufen verstreuter und blutbesudelter Knochen übrig.

Als ihr Herrscher starb, stellten seine Mannen den Kampf ein und verließen das Schlachtfeld. Sie kehrten in ihr Heimatland im Norden zurück, wo sie sich fortan zu Ehren ihres größten Häuptlings nur noch "Söhne des Kronos" nannten.

Die Versklavung

Die nächsten Jahre waren eine dunkle Zeit für die Erstgeborenen. Ihre Kampfkraft war gebrochen, und sie waren leichte Beute für die anderen Rassen, besonders für die Elfen.

Die überlebenden Führer des Bunds trafen zusammen und teilten die eroberten Ländereien unter sich auf, obgleich gesagt wird, daß Kahlins Herz nicht mehr seinen Verbündeten gehörte, sondern den stolzen Kriegern aus dem Norden, die Kahlin fortan "Blutrausch" nannte, um ihre Tapferkeit und ihren Stolz zu würdigen. Die Zwerge hatten als einzige keine Verwendung für Sklaven, doch die Schwarzblüter und Elfen versklavten alle der Erstgeborenen in ihren eroberten Reichen.

Innerhalb von drei Jahren nach dem Tod des Wahrhaftigen Königs war das Königreich der Erstgeborenen vom Antlitz der Erde getilgt. Ihre glorreiche Vergangenheit war nicht viel mehr als eine blasse Erinnerung.

So begann das Zeitalter der Sklaverei.

Der Bund zerbricht

"Eine kurze Zeit lang ermöglichte der Sieg den Frieden. Der Krieg war vorüber, und der Bund hatte seine Ziele mehr als erreicht. Die Erstgeborenen waren geknechtet, ihr König tot. Einige haßerfüllten Menschen verfluchten sogar seinen Namen, da er sie in der Stunde ihrer größten Not im Stich gelassen hatte. Eine neue Ordnung versprach Stabilität und einen neuen Anfang. Doch keines der beiden versprechen konnte sie letztendlich halten. Nur eine Generation nach dem Tod des Wahrhaftigen Königs tobte das Feuer des Krieges bereits wieder überall im Land, als die Sieger miteinander wie tollwütige Hunde um ihre Kriegsbeute kämpften."
- Aus den Chroniken des Blutes

Das Leid ihrer versklavten Brüder im Süden wühlte die wilden Krieger aus dem Norden auf, die sich nun die Söhne des Kronos nannten. Die Barbaren sammelten sich an der Südgrenze ihres neuen Landes und zogen in der Hoffnung, die versklavten Erstgeborenen befreien zu können, weiter nach Süden. Sie wurden angeführt von Kronos's Kindern - dem wilden Balkar, dem schlanken und wölfischen Kranok und der Kriegerkönigen Nesaria. Nesaria hatte einen eigenen Orden von Kriegerinnen gegründet, die Schwarze Schwesternschaft, um den Tod ihres Vaters und des Wahrhaftigen Königs zu rächen.
Die erste und auch letzte Schlacht fand bei der Elfenstadt Aregath statt. Jahrelang war die die zweitwichtigste Stadt des Ersten Königreiches gewesen, doch nun befand sie sich unter der strengen Herrschaft des elfischen Hauses der Sonne,. Die Elfen hatten dem Angriff der Blutrausch nichts entgegenzusetzen, sie wurden jedoch von ihren eigenen Sklaven, den Erstgeborenen, gerettet. Die Menschen schlossen sich der elfischen Armee an und unterstützten sie beim Kampf gegen die Barbaren. Erst in diesem Moment, als sie sahen, wie ihre fernen Verwandten sich den Elfen beugten und ihnen dienten, erkannten die Söhne des Kronos die schreckliche Wahrheit. Die Erstgeborenen waren nicht nur besiegt, sie waren gebrochen. Die Blutrausch plünderten die Stadt und brannten sie nieder. Frauen, Alten und Neugeborenen wurde freies Geleit nach Süden gewährt. Trotz ihres Sieges trauerten die Blutrausch um ihre verlorenen Verwandten. Nun waren sie die einzigen Erstgeborenen, die noch in Freiheit lebten. Während die Stadt brannte, schworen die Söhne des Kronos einen Eid, lieber zu sterben, als sich je knechten zu lassen. Sie würden leben, kämpfen und als freie Menschen sterben. Sie hinterließen die Stadt den Elfen zum Neuaufbau, verfluchten, was die Elfen aus ihren Brüdern gemacht hatten, und kehrten in den Norden zurück - verbittert und entschlossen, ihren Schwur mit ins Grab zu nehmen.

Die neuen Herren besiedelten ihr neues Land schnell. Die Elfen bauten große Luftschiffe, um ihr Handelsreich über die ganze bekannte Welt auszubreiten. Die Stadt Helio wurde Hauptstadt des neuen Königreichs. Nach einiger Zeit begannen die zahlreichen neuen Barone und Herzöge ihre Sklaven endgültig zu ihrer Belustigung zu benutzen. Es kam die Zeit der Gladiatorenkämpfe, in der Schwarzblüter, Elfen und Zwerge mit ihren Sklaven durch die Welt reisten und sie in Blutarenen um ihr Leben kämpfen ließen. Elfen und Schwarzblüter entwickelten in ihrer Leidenschaft für die Kämpfe eine große Blutgier, wohingegen die meisten Zwergenclans den Kämpfen mit Verachtung begegneten. Der Clan der Schakale und der Clan der Geier waren jedoch mit dem gleichen grausamen Enthusiasmus an den Kämpfen beteiligt wie ihre Verbündeten. In die Blutarenen kämpften die Gladiatoren nach kurzer Zeit schon nicht mehr nur gegeneinander. Der Champion Karnak soll mit bloßen Händen Reißer und andere bestialische Kreaturen besiegt haben. Karnak was der größte Gladiator, den die Welt je gesehen hat, und mit vierzig Jahren immer noch am Leben - etwas, das kein andere Gladiator jemals wieder schaffte. Sein elfischer Herr war so zufrieden mit ihm, daß ihm als erstem Sklaven sogar ein gewisses Maß an Freiheit eingeräumt wurde. Sein Ruhm sorgte jedoch dafür, daß er irgendwohin reisen konnte, ohne sofort einen Mob von Schaulustigen um sich herum zu haben, der ihn bewunderte oder ihn sogar herausforderte. Er starb eines traurigen Todes. Da er freien Zugang zu allen Lotusblättern hatte, starb er an einem seltsamen Gebräu aus berauschenden Substanzen. Die Legende erzählt, im Moment seines Todes habe er den wahrhaftigen König gesehen, der eine Schwarze Schwester schickte, um seine Seele in Empfang zu nehmen.

Die Gladiatoren waren nur der erste Schritt einer Entwicklung, die schließlich darin mündete, daß die Sklaven als Krieger in den Streitkräften des Bundes eingesetzt wurden. Nur zwei Generationen nach ihrer Versklavung wurden die Erstgeborenen systematisch für den Krieg gezüchtet und ausgebildet. Die Sklaventruppen trugen die Hauptlast der Angriffe. Die Erstgeborenen waren entbehrlich und ersetzbar, doch ihre gefürchtete Wildheit im Kampf galt es zu bewahren und für ihre Herren nutzbar zu machen.

Zu diesem Zeitpunkt begann der Bruch des Bundes. Die meisten Zwergenclans waren schon vor langer Zeit zu ihrem Leben in den Ringfesten zurückgekehrt, doch die Schwarzblüter und die Elfen versuchten unaufhörlich, ihr Reich und ihre Macht zu vergrößern. Als der Wohlstand der Elfen aufgrund ihrer ertragreichen Felder und der wichtigen Handelshäfen, die sich seit dem Krieg in ihrer Hand befanden, wuchs, fühlten sich die Schwarzblüter benachteiligt. Der tatsächliche Wert ihrer Eroberungen erwies sich als gering. Zu diesem Zeitpunkt begannen die Elfenhäuser, den anderen Rassen für die Benutzung ihrer Handelshäfen hohe Steuern zu berechnen - genau wie die Erstgeborenen weniger als fünfzig Jahre zuvor.

Die erste wirkliche Auseinandersetzung fand im Hafen der von Schwarzblütern beherrschten Stadt Bezek statt, als die Flotte der Elfen die Stadt aufgrund von Steuerschulden der Schwarzblüter annektieren wollte. Es entbrannte ein brutaler Kampf, der größtenteils von Erstgeborenen geführt wurde, während ihre Herren aus sicherer Entfernung zusahen. Dieser kleine Konflikt eskalierte schnell zum ersten echten Krieg seit der Gründung des Bundes. Tausende Erstgeborene starben im Kampf für ihre Meister, und Bezek selbst wurde bis zur Unterzeichnung eines provisorischen Friedensvertrages zum Schauplatz einer blutigen und fünf Jahre andauernden Belagerung. Dies ist jedoch erst der Anfang.

Die Zwerge des Drachenclans, eines der stolzesten aller Clans, erhob ihre Banner und griffen nach einer Serie von elfischen Überfällen die Streitkräfte des Hauses der Sonne an. Dieser Konflikt war aus mehreren Gründen denkwürdig. Seit der Gründung des Bundes war dies der erste zwergische Krieg, und der Clan der Dunklen Hauer eilte seinem Nachbarn zu Hilfe. Es war auch einer der letzten Kriege vor der Entfesselung der Bestien und daher das letzte Mal, daß die Zwerge nach von ihren Göttern in die Schlacht geführt wurden. Die Zwergengötter, die man die Gründer nannte, waren mächtig und sollen vor Tausenden von Jahren die Rasse der Zwerge erschaffen haben. Die Streitkräfte vom Haus der Sonne, angeführt durch den jungen Herzog Kratus vom Haus der Schwarzen Schlange, wurden auf ihr eigenes Territorium zurückgeschlagen . Selbst ein Teil von Helio geriet unter Beschuß, als sich die Söldner des Geierclans ins Schlachtgetümmel stürzten und auf die Seite ihrer Brüder stellten. Es war eine Niederlage, die von den Elfen und besonders von Kratus nie vergessen wurde.

Der Konflikt tobte nicht nur zwischen den Rassen. Es begann auch eine harte Auseinandersetzung zwischen den Elfenhäusern, da jedes Haus versuchte, mehr Macht als die anderen zu erlangen. Dieser Konflikt wurde jedoch nur einmal, bei Vestrial, auf dem Schlachtfeld ausgetragen, wobei sich zwei kleinere Häuser beinahe vollständig vernichteten. Das meiste geschah hinter den Kulissen; Vergiftungen, Meuchelmorde und Verrat. Man sagt, die Elfen hätten all das erst erfunden, was gar nicht so unwahrscheinlich ist, denn keine andere Rasse war je so sehr in Intrigen und Verrat verstrickt wie sie.
Das größte Ringen fand im Haus der Sonne statt, zwischen seinem Herrscher, Herzog Helios, und seinem Rivalen Kratus. Die Elfen vom Haus des Kristall-Lotus waren damit zufrieden, ihre Zeit in der Abgeschiedenheit ihres wilden Heimatlandes zu verbringen und dort die majestätischen Lotusblumen weiter zu züchten, die hier bereits in Fülle wuchsen.

Die Zwerge hatten ebenfalls innere Konflikte zu lösen, denn der verräterische Clan der Schakale gewann seit seiner Allianz mit dem Haus der Sonne ständig an Stärke und Einfluß. Der Aufstieg der Schakale wurde schließlich auf brutale Art und Weise durch einen Konflikt mit dem Clan der Wölfe gestoppt. Die Schlacht bei Bruh Dur löschte den größten Teil ihrer Armee und auch den Clangott der Schakale aus. Dafür schworen die Schakale ihren Brüdern Rache und suchten nach anderen Wegen, die Herrschaft an sich zu reißen: Wege, die sie schließlich in die Dienste des Herrn der Finsternis treiben und zu einem der schwärzesten Punkte in der Geschichte der Zwergen führen sollten.

Auch die Schwarzblüter waren von inneren Konflikten geschwächt. Eine Zeitlang beanspruchten zwei unterschiedliche Oger den Blutthron, beide mit einer Blutlinie, die sich bis zur Gründung des Imperiums zurückverfolgen ließ. Die Kämpfe führten beinahe zur Zerstörung des zerbrechlichen Reichs, und viele Goblins entschieden sich dazu, eigene Wege zu gehen. Sie verließen das Imperium, um ihre eigenen Städte Terakan und Eisengrat zu gründen, wo es ihnen schließlich gelang, die Reißer zu zähmen. Die beiden Konkurrenten um den Thron bekämpften sich über ein Jahrzehnt. Sie schenkten ihren hungernden und leidenden Untertanen und den Einfällen der Elfen und Zwerge in ihr Territorium keinerlei Beachtung. Durch ihren Konflikt blieb von vielen der einst stolzesten Städte der Schwarzblüter nur Schutt und Asche übrig. Die Stadt Japur traf dieses Schicksal am schlimmsten, als ihre prächtige Bibliothek und ihr Museum für mystische Artefakte während einer gewaltsamen Auseinandersetzung zerstört wurden. Die Waagschale neigte sich erst, als eine dritte Partei in Gestalt des Kriegshäuptlings Nisar Blutborn in das Kampfgeschehen eingriff. Nach einer Reihe von Schlachten tötete Blutborn seine beiden Rivalen in einem einzigen Kampf und beanspruchte den Blutthron für sich. Nach der langsamen und schmerzhaften Hinrichtung aller seiner Gegner wurde seine Herrschaft von dem gesamten Imperium anerkannt. Seine erste Amtshandlung bestand in der Stärkung der Grenzen seines Imperiums, was mehrere Gefechte mit den Streitkräften der Elfen und Zwerge zur Folge hatte. Doch der alte Groll schwand nicht, und so wurde das Land auch weiterhin von kleineren Kriegen heimgesucht.

Zu ihrer Schande kämpften die Erstgeborenen hart und gehorsam. Sie folgten jeder Laune ihrer fremden Herren, als wäre es nie anders gewesen, als hätten es niemals das Reich des Wahrhaftigen Königs gegeben. Man sagt, das bei Chakitha, in einem der blutigsten Zusammenstöße zwischen den Elfen und Schwarzblütern in der Geschichte, zehntausend Erstgeborene ihr Leben ließen, während in der gleichen Schlacht weniger als zweihundert ihrer grausamen Herren den Tod fanden.

Trotz dieser fürchterlichen Verluste ahnte keine der beiden Rassen, daß sie sich ihr eigenes Grab schaufelten. Die Erstgeborenen kämpften immer an vorderster Front, und langsam entstand eine Kriegergeneration. Die Erstgeborenen wurden zu großen Kriegern ausgebildet und erlangten allmählich ihre Selbstachtung wieder. Ihre Todesboten wurden am meisten gefürchtet. Diese Krieger glaubten, der Tod in der Schlacht sei der einzige Weg, im kommenden Leben Frieden zu finden, daß es somit am besten war, mit dem Blut des Feindes an den Händen zu sterben.

Zu Beginn des dritten Jahrhunderts waren die Erstgeborenen wieder Meister der Kriegskunst und unterstützten ihre Herren häufig in strategischen und organisatorischen Fragen. Das einzige, was ihnen noch fehlte, war Hoffnung und Glaube. Ein lauter Ruf, nach den Waffen zu greifen, um die Fesseln ihrer zweihundertjährigen Sklaverei zu sprengen. Dieser Ruf erging durch die Propheten und die erste Rebellion, die als die Rebellion der Einhundert Klingen in die Geschichte einging.

Der Blutthron

Der Blutthron besteht aus Bernstein und ist einer der prächtigsten Throne der ganzen Welt. Das war nicht immer so. Der Thron stammt aus den frühen Tagen des Imperiums der Schwarzblüter und ihres ersten Kaisers, Kharym Kehlenschlitzer. Er hatte sich in der Armee nach oben gearbeitet und war ein treuer Untertan der damaligen Orkherrscher. Man sagt, Kharym sei den blutenden Resten seiner Legion direkt in den kaiserlichen Palast marschiert und habe den Orkkaiser und seine Anhänger zu tausend Stücke gehackt und sie den Reißern zum Fraß vorgeworfen. Nachdem seine grausame Rache beendet war, war der Thron rot vom Blut der Erschlagenen. Als der Ogerkaiser gekrönt war und seine Regentschaft von den Schwarzblütern anerkannt wurde, ging der blutgetränkte Thron als Zeichen für die rechtmäßige Herrschaft der Oger in die Geschichte ein. Wer auf dem Blutthron sitzt, kann noch so böse und brutal sein; seine Untertanen werden ihm die Gefolgschaft nicht verweigern.

Das Zeitalter der Propheten

"Vor dem Großen Verrat hatten die Erstgeborenen die Chance, an de Macht zu gelangen. Der Große Verräter, der räudige Köter, den manche noch immer den Wahrhaftigen König nennen, hätte die Auserwählten in ein neues Zeitalter der Stärke und Macht führen können. Statt dessen wählte er den Pfad von Verrat und Betrug. Er tötete diejenigen, die ihm am nächsten standen, und opferte seine Gefolgsleute bei dem Versuch, die Erstgeborenen vor ihrem Schicksal zu bewahren. Doch nun haben die Erstgeborenen einen neuen König, einen neuen Herrscher. Den Herrn der Finsternis selbst. Diejenigen, die versuchten, unsere Rasse und unsere Hoffnungen auszulöschen, die versuchten, die Lakaien zu verraten, werden nun endlich den Preis für ihre Sünden bezahlen. Unsere Klingen und Krallen sollen ihre Leiber aufschlitzen und vernichten, wenn wir ihre Städte in Brand stecken und ihre Verwandten verstümmeln, um ihre Seelen dem Herrn der Finsternis für seine ewige Rache zu opfern."
- Aus den "Schriften der Toten" von Negral Zarákin

Der erste Prophet war Negral Zarákin. An dem Tag seiner Geburt rebellierte eine Legion Erstgeborener gegen das Haus der Schwarzen Schlange und tötete seine elfischen Führer. Es war die erste Rebellion seit dem Beginn der Sklaverei und wurde bekannt als die Rebellion der Einhundert Klingen.

Zarákin wurde am Hof des Herzogs Kratus, Vater von Lady Cylia, in Sklaverei geboren und erlebte, noch bevor er sprechen konnte, unzählige obszöne Folterhandlungen. Den Einhundert Klingen begegnete von Seiten der Elfen nachlässige Verachtung, aber es dauerte fünf Jahre, bis die Rebellion schließlich erstickt wurde. Sechzehn überlebende Rebellen wurden zurück an den Hof der Elfen gebracht. Dies waren die ersten anderen Erstgeborenen, die Negral zu Gesicht bekam. Sie waren stolz, denn die weigerten sich, sich zu verbeugen oder um Gnade zu bitten, selbst nachdem Herzog Kratus' Foltermeister sich ihnen gewidmet hatte. Sie wurden an den Mauern des königlichen Palastes gekreuzigt - als Warnung für andere. Der junge Negral verließ den Palast in der Nacht der Hinrichtungen, um Kazin zu sehen, den Anführer der Rebellen. Während er vor ihm stand, fiel eine blutrote Träne aus einem Auge des toten Anführers direkt auf Negrals Stirn und löste seine erste Vision aus.

Eine Vision des Wahrhaftigen Königs, der Erstgeborenen auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Von einem Führer, der bald erscheinen würde. Der Junge kehrte niemals in den königlichen Palast zurück. Er reiste quer durch das Land und berichtete den Erstgeborenen, daß ein Erlöser kommen würde. Ein Krieger, der sie aus der Sklaverei führen würde. Er war nicht allein mit seinen Visionen.

Im rauhen Norden brachten den Jungen Lokoth A'Kallach ähnliche Visionen an den Rande des Wahnsinns. Nachdem er von Stamm zu Stamm gezogen war, um seine Botschaft zu verbreiten, machte er sich auf den Weg nach Süden - ins Herz des eroberten Landes.

Am Hof der Schwarzblüter erblickte Nemeth als Sohn eines Serviermädchens das Licht der Welt. Einige sagen, es floß sogar Ogerblut in seinen Adern. Der Kaiser schenkte ihn dem berüchtigten Orkadligen Ravenyll zu seinem Vergnügen. Man kann nur erahnen, welchen Demütigungen Nemeth ausgesetzt gewesen sein muß, bevor er aus dem Anwesen des Orks fliehen konnte, nachdem er zuvor Ravenyll und seine gesamte Familie vergiftet hatte.

Die letzte Prophetin war Aleha. Man erzählt, sie sei die schönste Frau gewesen, die jemals auf dieser Erde wandelte. Ihre Portraits aus der zeit vor dem Zeitalter der Dunkelheit zeigen, daß dies nicht weit von der Wahrheit entfernt ist. Von allen Propheten hatte sie die behütetste Kindheit. Sie wuchs in der Ringfeste von Kahlin Kag'n auf, dem mächtigsten aller Hochkönige der Zwerge und Veteran des Bundkriegs. Die Schlacht gegen den Blutrausch hatte ihm großen Respekt vor den wilden Kriegern aus dem Norden und vielen Erstgeborenen verschafft. So großen Respekt, daß sich einige Erstgeborene aus freien Stücken entschieden, in der relativen Sicherheit seiner Ringfeste zu leben. Aleahs Eltern wurden bei dem Versuch, ihrer Gefangenschaft zu entkommen, von Schwarzblütern getötet. Kag'n nahm sich des Kindes an, nachdem er seine Häscher erschlagen hatte. Er zog sie als seine Tochter auf, und sein Herz brach, als ihre Visionen sie zwangen, die Feste zu verlassen und ihr Volk aufzusuchen.

Jahrelang predigten die vier Propheten, ohne voneinander zu wissen. Erst Herzog Kratus brachte sie schließlich zusammen, als er versuchte, ihre ketzerischen Lehren auszulöschen. Er ließ alle vier Propheten gefangennehmen und an seinen Hof bringen. Gegen den Rat der anderen Häuser ließ er sie auf einem Hügel aufhängen, der später als der Prophetenhügel bekannt wurde.

Über das, was dort geschah, gibt es Hunderte von verschiedenen Erzählungen. Man sagt, die Seelen aller vier Propheten fuhren auf der Suche nach ihrem Erlöser in die Hölle herab. Als sie durch die Welten jenseits der Sterblichen reisten, waren es ihre Seelen, die dem Wahrhaftigen König als Leuchtfeuer dienten und ihm die Richtung zeigten, in die er reisen mußte, zu einem Ort, an dem er geboren werden konnte. Zwei Tage ließ man die Propheten am Galgen hängen, und zwei Tage lang weigerte sich das Leben beharrlich, aus ihren Körpern zu weichen. Man sagt, der Finstere selbst habe sie in Versuchung geführt, doch sie widerstanden, denn ihre Hoffnung war groß.

Am dritten Tag verdeckte eine große Finsternis die Sonne. Gerüchte verbreiteten sich über das Land. Eine neue Gefahr ist unterwegs. Da geschah es, daß eine Sklavin, die mit ihrem Ehemann aus den Ländern der Elfen floh, einem Kind das Leben schenkte. Wenige Momente vor der Sonnenverdunklung hatten Sklavenjäger das Paar in die Enge getrieben, und der Mann versuchte, seine schwangere Frau vor ihnen zu schützen. Als die Finsternis verschwand, waren alle tot, bis auf die Frau, die ihren Sohn zur Welt gebracht hatte. Sie wurden von der Schwarzen Schwesternschaft gefunden, die das Kind nach Norden brachte.

Am längsten verweilte die Finsternis über der Hauptstadt des Reichs von Herzog Kratus, und als sie abklang, waren die Körper der vier Propheten verschwunden. Die Schlingen baumelten leer am Galgen. Die Kunde davon verbreitete sich schnell unter den Erstgeborenen. Die Propheten erschienen ihren Gefolgsleuten und sprachen von blutigen Tagen, die bald anbrechen würden, in denen eine neuer König ihnen die Freiheit bringen sollte. In ihren Lotustürmen begannen Elfenhexer Visionen vom Untergang ihres Reiches zu sehen, von der Ankunft eines neuen Königs und der Geburt von etwas unaussprechlich Bösem, dergleichen die Welt noch nicht erblickt habe.

Die Rückkehr des Wahrhaftigen Königs

"Sie sagen, die Götter kehrten auf die Welt zurück, um den Krieg zuzuschauen. Zum ersten Mal seit über zwei Jahrhunderten erhoben sich die Erstgeborenen gegen ihre Herren. Ketten wurden zerschlagen, Schwerter erhoben, Feuer entzündet. Innerhalb weniger Monate war aus einer kleinen Rebellion ein Krieg geworden. Millionen starben. Rebellen wurden gefoltert, gekreuzigt, auf dem Scheiterhaufen verbrannt und schlimmeres ... doch ein jeder starb mit demselben Wort auf den blutenden Lippen. "Freiheit!" Die Erstgeborenen hatten sich erhoben."
- Aus den Chroniken des Blutes

Die späteren Jahre seiner Kindheit verbrachte der Erlöser in der Wildnis am Rande des Elfenreichs. Der Hochkönig des Blutrausch bildete ihn zu einem Meister der Klinge aus, und im Alter von vierzehn Jahren beherrschte er jede Waffe, die ihm in die Hand gegeben wurde. Er machte rasche Fortschritte in den magischen Künsten, und wie sein Talent wuchs auch sein Haß auf die anderen Rassen. Die Blutrausch nannten ihn den Rachsüchtigen, wegen der großen Zahl der Elfen und der Schwarzblüter, die er, häufig mit bloßer Hand, tötete.

Als sich die Gerüchte über seine Rückkehr ausbreiteten, begann die Rebellion zu wachsen. Mit der Rebellion wuchs jedoch auch die Bereitschaft bei den Elfen und Schwarzblütern, zu weitaus brutaleren Unterdrückungsmethoden zu greifen. Im Nordosten wurde das Rebellendorf Vilkera niedergebrannt. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind verbrannte auf einem großen Scheiterhaufen, als Warnung für andere. Diese Unterdrückung verstärkte jedoch nur das Verlangen der Erstgeborenen nach Freiheit und ermutigte zahllose weitere Rebellen, zum Schwert zu greifen. In den ersten Jahren führten die Vier Propheten die Rebellion an. Jeder besaß das Kommando über eine Rebellenarmee, und sie fielen von allen Seiten über die Länder des Bundes her. Am Borakslauf sollte sich das Blatt noch einmal wenden. Der Bund war wieder vereint, um den Aufstand niederzuschlagen, und die Rebellenarmee trotz tapferer Gegenwehr der Erstgeborenen am Borakslauf umzingelt.

Alles schien verloren und die Rebellion zum Scheitern verurteilt, bis eine neue Armee die Bühne betrat: die Söhne des Kronos mit dem jungen Krieger an ihrer Spitze. Innerhalb von Stunden sah sich der Bund zum Rückzug gezwungen. Es war der erste große Erfolg für die Rebellen und das erste Mal, daß der als der Erlöser und der Rachsüchtige bekannte Krieger sein Volk zum Sieg führte. Es sollte nicht das letzte Mal sein.

Die Entfesselung der Bestien

Die Erstgeborenen ahnten jedoch nicht, daß der Herr der Finsternis bereits in Aktion getreten war. Die Propheten mochten ihm den Rücken zugewandt haben, doch andere taten dies nicht. Eine Verschwörung wuchs inmitten aller Rassen, und ihre Mitglieder warteten auf den Tag, an dem ihre Führer ihnen das Zeichen geben und sie die Kontrolle über das gesamte Land übernehmen würden. Und niemand erwartete diesen Tag sehnsüchtiger als der Zwergenclan der Schakale.
Ihr Verrat an ihrer Rasse war ausschlaggebend für die Geschichte von Chronopia, denn ohne diesen Verrat hätten die Dinge einen völlig anderen Lauf genommen. Seit ihrer Niederlage gegen den Clan der Wölfe hatten die Schakale ihre Rache geplant. Doch sie hatten eine finsteren Pfad betreten. Ihre Clangottheit war im Kampf gegen ihresgleichen getötet worden, und auf der Suche nach einer anderen Möglichkeit, wieder an die Macht zu gelangen, hatten sie ihre Seelen an den Finsteren verkauft. Mit Hilfe der Macht, die ihnen der Herr der Finsternis gewährte, setzten die Schakale bei ihrem Versuch, die Götter der anderen Zwergenclans zu zerstören, die Magie der Hölle ein.

Die Schakale wollten die Herrschaft über die anderen Zwergenländer, und ihre einzige Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, lag in der Zerstörung ihrer Brüder. Um dieses finstere Ziel zu erreichen, lösten sie aus, was später als die Entfesselung der Bestien bekannt werden sollte. Sie leiteten rohe, ungelenkte magische Energien durch die Zwergenfesten. In dem todesmutigen Versuch, ihr Volk vor dem Untergang zu retten, sogen die Götter der Zwerge den größten Teil der Energien in sich auf. Sie hatten zwar Erfolg, doch der Preis war hoch und hatte weitreichende Konsequenzen. Die Magie veränderte sie in unvorstellbarem Ausmaß. Sie wurden zu wilden, primitiven Bestien, die sich wie rasend auf alles stürzten, was sich bewegte. In der nun folgenden Zeit wendeten sie sich gegen diejenigen, die sich hatten beschützen wollen, und töteten Tausende ihrer Kinder.

Die Auswirkungen waren zweifacher Art. Konfrontiert mit dieser neuerlichen inneren Gefahr, waren die Zwerge gezwungen, den größten Teil ihrer Armeen vom Kampf gegen die Erstgeborenen zurückzuziehen und damit eine der stärksten Armeen vom Schlachtfeld abzukommandieren. Die zweite Auswirkung war, daß sie später die Kontrolle über die Bestien erlangten und stärker als je zuvor aus ihren Festen hervorkamen.

Der Vergeltungskrieg

Mit jedem verstreichenden Tag griff die Rebellion der Erstgeborenen mehr um sich. Abgelegene Dörfer und Städte der Elfen und der Schwarzblüter wurde dem Erdboden gleichgemacht. Zum ersten Mal seit über zwei Jahrhunderten waren die Erstgeborenen vereint, und nichts konnte sie aufhalten. Sowohl die Elfen als auch die Schwarzblüter hatten sich militärisch zu sehr auf ihre Einheiten mit Erstgeborenen verlassen und waren von dem Moment an verloren, als diese Armeen sich gegen sie wendeten.

Die Schwarzblüter sammelten eine große Streitkraft und trafen mit ihr auf die Erstgeborenen, doch da die Armeen der Elfen nicht zu ihnen zu stieß, standen sie auf einem verlorenen Posten. In dem Versuch, ihr eigenes Land zu schützen, hatten die Elfen ihre Streitkräfte in wichtigen Städten gesammelt, anstatt ihren Verbündeten zu unterstützen. Durch diese Entscheidung zerbrach der neue Bund. Der noch immer über die Rebellion der Erstgeborenen erzürnte Ogerkaiser hegte nun auch einen Groll gegen die Elfen, die in seinen Augen nichts weiter als verräterische Feiglinge waren. Er schloß Frieden mit den Rebellen, schützte die Grenzen seines eigenen Imperiums und versprach, im Krieg gegen die Elfen neutral zu bleiben.

Dieser Frieden ermöglichte es dem Wahrhaftigen König, mit den großen Legionen, die ihm mittlerweile folgten, einen konzentrierten Angriff gegen die Elfenhäuser durchzuführen. Über ein Jahr lang dauerten die Gefechte an. Einige gewannen die Erstgeborenen, andere die Elfen. Der Wahrhaftige König begann, seine tapfersten Ritter in die Kunst der Manipulation der Zeit einzuweisen. Schließlich verfügten die Erstgeborenen über Krieger, die den elfischen Lotushexern ebenbürtig waren. Die Kämpfe überdauerten auch einen der härtesten Winter, den die Welt jemals gesehen hatte. In der klirrenden Kälte verloren abermals Tausende ihr Leben. Im folgenden Frühjahr trafen beide Seiten in einer endgültigen, unausweichlichen und brutalen Schlacht zusammen. Die Erstgeborenen zogen nach Süden und die Elfen bereiten sich auf die Schlacht vor, die die letzte sein sollte - auf den Feldern vor den Toren der Stadt, die sie vor Jahrhunderten so hart erkämpft hatten.

Viele Berichte erzählen von dieser legendären Schlacht. Beide Seiten faßten die Geschehnisse in ihren Versionen so, daß sie im jeweils besseren Lichte erschienen, doch einige Fakten gelten als sicher. Die Armee der Erstgeborenen bestand aus zehntausend Männern und Frauen. Darunter die Ahnen der Kriegerorden, die eines Tages helfen würden, die Erstgeborenen wieder zu einer Weltmacht erstarken zu lassen. Die mächtigen Paladine; die Schwarze Schwesternschaft der Blutrausch, die geschworen hatte, ihrem Führer zu beschützen, den eine der Ihren aufgezogen hatte; die Eiserne Garde und die Chronomanten. Auf der anderen Seite stand die zweifache Zahl an Elfen: Die verhaßten Roten Ritter; die Drachenreißer, die Schwarze Garde, die Kristal-Ritter und die Lotushexer. Während die anderen Rassen zum größten Teil versuchten, dem Blutbad fernzubleiben, standen Zwerge vom Clan der Geier auf der Seite der Elfen, obwohl die meisten sagen, sie seien für diesen Dienst mit Gold gekauft worden. Auch einige Schwarzblüter wurden gesehen.

Die Schlacht war eine der längsten und blutigsten in der Geschichte von Chronopia und begann mit dem ersten Rot der Morgendämmerung. Blitze krachten auf das Schlachtfeld herab, als Lotushexer und Chronomanten versuchten, das Feld für den Zusammenprall der großen Reihen gepanzerter Ritter zu ebnen. Der Himmel war schwarz von Pfeilsalven, die eine nach der anderen die Bogenschützen beider Seiten abschossen. Die Schwarze Schwesternschaft brüllte ihre wilden Todesschreie, als sie sich wie berauscht auf den Feind stürzte und ihre Klingen die Rüstungen der Elfen durchbohrten und dabei tief in das darunterliegende Fleisch eindrangen. Nach einem Tag des Kämpfens glich das Schlachtfeld einer Leichenhalle. Der Anblick kam der Hölle gleich, und der einzige Sieger war der Tod. Die elfischen Lotushexer beschworen mit ihrer Magie aus den Elementen der Luft und der Erde die Töchter des Phönix und Titangolems. Diese furchterregenden Kreaturen schlugen schwere Breschen in die feindlichen Linien, bis die Magie des Wahrhaftigen Königs sie zur Strecke brachte. Die Chronomanten entfesselten die ureigene Energien der Zeit und stellten ihre Fähigkeiten gegen alle, die ihnen im Weg standen. Zusammen mit einer Horde von Blutrauschn an ihrer Seite brachten die Paladine den Tod, wo immer ihre Klingen herabsausten, und der Wahrhaftige König selbst kämpfte sich durch die tosende Schlacht, bis er schließlich Herzog Kratus gegenüberstand.

Von einem auf den anderen Moment kam die Schlacht zum Erliegen. Die beiden Herrscher stiegen von ihren Schlachtrössern ab und entschieden sich für einen Zweikampf. Man sagt, die Götter selbst hätten mit weniger Wildheit als diese beiden Krieger gekämpft. Einige Geschichtenerzähler sagen gar, die alten Götter hätten mit Eifersucht und neidischen Augen auf das Duell hinuntergeblickt. Der Kampf war ein brutales Echo des letzten Kampfes des Wahrhaftigen Königs gegen Herzog Chropus zweihundert Jahre zuvor. Er zog sich schier ewig. Blut strömte über das Gesicht des Wahrhaftigen Königs, nachdem ein gewaltiger Treffer von Kratus seinen Helm gelöst hatte. Seine eigene Klinge traf den Arm des Herzogs und hinterließ eine heftig blutende Wunde. Der Herzog stürzte nach vorne und plazierte zwei verheerende Treffer auf der Brust des Wahrhaftigen Königs. Ein dritter Treffer hätte seinen Tod bedeutet, aber dem Wahrhaftigen König stand die Erfahrung von mehr als einem Leben zur Verfügung. Er bewegte sich in den Angriff seines Gegners hinein und gestattete dem Herzog einen tiefen Stich in seine Seite, um im Gegenzug mit seinem eigenen Schwert den Kopf des Herzogs von seinem Hals zu lösen. Der Herzog schien einen Moment lang nicht fassen zu können, was soeben geschehen war, und erstarrte zur Salzsäule. Sein Griff löste sich von dem Schwert, das er in die Seite des Wahrhaftigen Königs gebohrt hatte. Aber es war zu spät. Er war tot. Sein Körper krachte auf den blutgetränkten Boden. Der Wahrhaftige König hob den Kopf des Herzogs hoch über die Köpfe der Anwesenden. Eine düsteres Spiegelbild seines eigenen Todes Jahrhunderte zuvor. Eines Todes, den er geplant hatte, damit er in der Zeit der größten Not seines Volkes zurückkehren konnte - einer Not, die noch kommen sollte.

Noch auf dem Schlachtfeld, mit den Propheten an seiner Seite, offenbarte er sich seinen Getreuen als der wiedergeborene Wahrhaftige König. Es war ein großer Tag für die Erstgeborenen, und dem größten Teil der überlebenden Elfen gelang ein geordneter Rückzug. Nur die Roten Ritter wurden bis zum letzten Mann verfolgt und hingerichtet.

Trotz dieses Sieges tobte der Krieg noch mehrere Monate. Helios übernahm das Kommando über die Streitmacht der Elfen und übertrug seinem Sohn Heliac und seinem unehelichen Sohn Valymir das Kommando über ihre eigenen Streitkräfte. Bei Gargythia schrieb Valymir sich einen großen Sieg über die Erstgeborenen auf die Fahnen, aber die Fakten legen die Vermutung nahe, daß er lediglich eine Kleinstadt voll alter Männer und verkrüppelter Soldaten mit ihren Familien massakrierte. Die Elfen wurden langsam wieder aus den Ländern zurückgedrängt, die sie einst voller Wut bei dem Angriff auf das Erste Königreich der Erstgeborenen erobert hatten. Heliac verschaffte sich großen Respekt bei den Adelshöfen der Elfen, als er Helio tapfer gegen den Angriff einer großen Flotte der Erstgeborenen verteidigte, die auf den Schiffen der anderen Rassen segelten. Trotz der immer häufiger werdenden Niederlagen lehnten die Elfen einen Frieden ab, denn zu tief war ihr Haß auf die Erstgeborenen.

Dies ändert sich erst, als das Haus des Kristall-Lotus seine Meinung änderte. Durch seine Lotusblumen war das Haus schon immer eines der einflußreichsten Häuser, und nach einer Besprechung mit seinen weisesten Magiern befahl der alte und weise Herzog Zazen den anderen Häusern, den Krieg zu beenden. Der Herzog war einer der wenigen noch lebenden Elfen, die dreihundert Jahre zuvor selbst gegen den Wahrhaftigen König gekämpft hatten, und auch wenn sein Körper nur noch von der Magie des Lotus am Leben erhalten wurde, war sein Verstand noch flink und scharf wie eh und je. Das Haus der Schwarzen Schlange, das nach dem Tod von Kratus nun von Valymir geführt wurde, weigerte sich jedoch, den Frieden zu akzeptieren. Valymir wollte im Krieg sterben, bis seine Schwester, die beredte und intrigante Cylia, ihren Charme einsetzte, um seine Meinung zu ändern. Die Anführer aller größeren Streitkräfte trafen sich zwischen den Ruinen des Ersten Königreiches und unterzeichneten Verträge, die dem Krieg ein Ende bereiteten. Die Erstgeborenen hatten gesiegt und ihre Freiheit wiedergewonnen. Auf den Ruinen der Stadt der Ewigkeit errichteten sie ihre neue Hauptstadt: Chronopia. In den Lotustürmen des Südens zitterten die Seher der Elfen. Nun war der Wahrhaftige König zurückgekehrt, und das konnte nur eins bedeuten: Die Große Finsternis war angebrochen.

Kalter Zorn erfüllte Negral. Das Blut der Schlacht floß noch immer aus seinen Wunden, und sein Schwert war noch immer bereit zu töten. Er blickte in Richtung des Tumultes über das Schlachtfeld. Der Erlöser hatte gewonnen. Die Erstgeborenen waren siegreich. Während er noch das Geschehen betrachtete, bemerkte er aus den Augenwinkeln einen jungen Elfen, der seine Ablenkung nutzen wollte und Angriff. Ohne ihm seinen Blick zuzuwenden, schwang Negral seine Klinge und teilte den jungen Krieger vollständig in zwei Hälften. Der Erlöser hielt nun einen Schädel über das Schlachtfeld - den Kopf von Herzog Kratus. Der Regen prasselte noch immer auf das Schlachtfeld, und über ihren Köpfen rissen Blitze den Himmel auf. Es war, als würde die Elemente ihre eigene Schlacht schlagen.
"Nein", fluchte Negral. "Das kann nicht sein ..."
Fremde Erinnerungen durchfluteten den Geist des grimmigen Propheten. Jahrhundertealte Visionen überfluteten ihn, Visionen vom Tod des Wahrhaftigen Königs, nicht weit entfernt von der Stelle, an der er selbst stand. Die zahlreichen Legenden über seine Wiedergeburt in der Stunde der größten Not kamen ihm in den Sinn.
Falls ihr Führer wirklich der Wahrhaftige König war, wozu brauchte er dann noch die Propheten, nun, wo der Sieg sein war?
"Hast du es gehört?" fragte ihn eine rauhe Stimme in dem Dialekt des Nordens.
Negral drehte sich um und erblickte hinter sich den barbarischen Lokoth A'Kallach. Drei Elfenköpfe baumelten an seinem Gürtel, und einen weiterer lag in seiner Hand. In seinen tiefblauen Augen brannten Haß und ungestillter Bluthunger.
"Er hat sich selbst zum wiedergeborenen Wahrhaftigen König erklärt", fuhr Lokoth fort. "Und, verdammt, ich glaube, er ist es."
"Die eigentliche Frage ist, was wir als nächstes zu tun beabsichtigen", antwortete Negral, seinen Blick auf die schwarzen Ausläufer der heranziehenden Nacht gerichtet. "Wird er uns die Macht geben, die wir verdient haben, oder uns verstoßen, jetzt, wo wir unsere Rolle erfüllt haben?"
"Falls er das tut", sagte eine weibliche Stimme hinter ihm, "haben wir eine Alternative. Eine, die uns unsere verdiente Belohnung gibt."
Die beiden Propheten antworteten nicht, als Aleha sich zu ihnen gesellte. Sie hatte eine düstere Aura, doch umgab sie genauso eine dunkle, erotische Energie, und auch ihre Kampfeslust war noch nicht verschwunden. Auf der anderen Seite des Schlachtfelds konnten sie den vierten Propheten dabei beobachten, wie er neben einem Leichnam kniete und in dessen toten Augen nach der Antwort auf eine unausgesprochene Frage suchte.
"Wir werden es sehen", sagte Negral mit eisiger Stimme. "Wir werden es sehen."
Donner hallte in der Ferne, als die letzten Strahlen der Sonne hinter dem Horizont verschwanden.

Der Tod von Herzog Helios

"Wie tief sind gesunken? Wie weit haben wir es kommen lassen? Unser edelster Herzog ist gefallen; nicht durch die Hand eines Erstgeborenen und auch nicht durch die Hand eines Schwarzblüters, sondern durch einen der unsrigen. Und alles aufgrund des unstillbaren Durstes nach mehr und mehr Macht. Jahrhunderte lang sahen wir Elfen uns als die Auserwählten, als die wahren Herrscher der Welt. Doch nun hat es den Anschein, als seien wir nicht besser als die Erstgeborenen. In Wahrheit sind wir noch schlimmer als sie, denn selbst haben unseren größten Herzog ermordet. Helios starb, und mit ihm starb unsere Ehre."
- Aus den Aufzeichnungen Herzog Heliacs nach der Beerdigung seines Vaters, des Herzogs Helios.

Die Rückkehr des wahrhaftigen Königs leitete eine neue Ära des Krieges und der politischen Intrigen ein. Sie erleichterte auch den Aufstieg des jungen Elfenherzogs Valymir und seiner Halbschwester Cylia.

Valymir; der uneheliche Sohn von Helios, wurde im Haus der Schwarzen Schlange Nachfolger von Kratus, der durch die Klinge des Wahrhaftigen Königs gestorben war. Das Haus der Schwarzen Schlange war damals ein kleineres Haus, das fest mit dem Haus der Sonne verbündet war. Herzog Helios nahm zusammen mit seinem Erben, dem jungen und beliebten Herzog Heliac, an der Einsetzung Valymirs teil. Heliac und Valymir waren nun also spätere Rivalen um die Thronfolge.

Valymir war bei Herzog Kratus aufgewachsen, und man sagt, er sei mit der Tochter von Kratus verwandt. Diese, Lady Cylia, ist heute noch berüchtigt für ihre Skrupellosigkeit und Hinterlistigkeit. Als nach dem Sieg der Erstgeborenen zwischen dem Haus der Sonne und dem Haus des Kristall-Lotus ein Streit aufkeimte, spornte sie ihren Halbbruder zur Durchsetzung seines Willens an. Herzog Helios wollte damals einen Verteidigungskrieg gegen die Erstgeborenen durchsetzen. Er führte an, dies sei die einzige Möglichkeit, den Bestand des Imperiums der Elfen zu sichern und ihre Würde zu wahren. Außerhalb seines Hauses verlor dieser Plan jedoch schnell an Unterstützung. Das Haus des Kristall-Lotus hatte den kleineren Häusern in beinahe behelfsmäßigem Ton nahegelegt, Frieden mit den Erstgeborenen zu schließen, auch denen, die sich unter dem Einfluß des Hauses der Sonne befanden. Was die beiden Häuser jedoch nicht wußten, war das Valymir und seine Schwester im verborgenen eigene Verhandlungen mit dem Wahrhaftigen König und seinen Botschaftern aufgenommen hatten. Auf ihrer Suche nach größerer Macht hatten die Geschwister keinerlei Skrupel, ihr eigenes Volk zu verraten.

Als Herzog Zazen ein Treffen der Häuser anordnete, um die Frage zu erörtern, sah Valymir eine Chance, seine Ziele zu erreichen. Der gesamte Elfenadel versammelte sich in dem prächtigen Kristallpalast bei Elymris, um über die drohende Gefahr zu beraten. Nachdem der Friede in Kraft getreten war, wiederholte Helios seinen Appell an alle Elfen, ihre Grenzen gegen die Erstgeborenen zu schützen, während der junge Valymir mit seiner Forderung nach einem neuerlichen Feldzug immer mehr Gehör fand. Nach einer Nacht voll hitziger Debatten schienen die Häuser einer Einigung nahe zu kommen.
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Es war kurz nach Mitternacht, und Herzog Helios hatte gerade damit begonnen, erneut seine Argumente anzuführen, als er von einem Moment auf den anderen aschfahl wurde. Der Herzog, der immer ein starker und gesunder Mann gewesen war, fiel mit schmerzerfüllten Gesicht auf die Knie, und sein Gesicht wurde totenblaß. Als seine Frau an seine Seite eilte, trat Blut aus den Augen hervor, und seine Wangen wurden blaßgelb. Gallenflüssigkeit und Blut floß aus seinen Mundwinkeln, und die Augen weinten blutrote Tränen. Der Hof verfiel in Panik, als der Herzog in seine Gemächer getragen wurde, wo die Eishexen sich seiner annahmen. Doch trotz all ihrer Tränke waren sie machtlos gegen sein schmerzvolles Ableben. Valymir war während der gesamten Zeit an der Seite von Herzog Helios geblieben, und man sagt, er habe geweint, als er starb.

Der eigene Sohn des Herzogs, Heliac, war ebenfalls auf dem Treffen erwartet worden, aber ein Angriff der Zwerge vom Clan der Geier hatte ihn aufgehalten. Valymir nutzte die Gelegenheit und stellte den Giftmörder, einen Sympathisanten der Erstgeborenen, den Herzog Barastar. Noch bevor dieser ein einziges Wort zu seiner Verteidigung hervorbringen konnte, tötete ihn der rasende Valymir mit seinem Schwert. Er durchsuchte die Leiche, bevor sich ein anderer ihr nähern konnte, und fand Beweise, daß Barastar sich mit dem Wahrhaftigen König zusammengetan hatte, um an die Macht zu gelangen. Eine Zeitlang glaubten viele Elfen der Vision Bvalymirs, doch schon bald machten Gerüchte die Runde, daß der tote Herzog nicht der Mörder war und ein anderer die Ermordung angezettelt habe. Zazen mit der Erfahrung aus dreihundert Lebensjahren verdächtigte Valymir und sah etwas in ihm, das ihn an seinen vor langer Zeit verstorbenen Rivalen Herzog Chropus erinnerte.

Inzwischen errang Heliac trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit einen sensationellen Erfolg denen den Geierclan. Als er nach Hause zurückkehrte, erfuhr er vom Tod seines Vaters und erlitt einen fürchterlichen Wutanfall, in dem er Valymir des Mordes beschuldigte. Erst die Schwester des Herzogs, die ruchlose Lady Cylia, gelang es, die beiden von einem Duell um Leben und Tod abzuhalten. Sie schlug vor, zur Klärung dieser Angelegenheit einen Rat einzusetzen. Während der Rat Valymir für unschuldig erklärte, stellte er gleichzeitig klar, daß Heliac der rechtmäßige Thronfolger sei und Valymir niemals einen legitimen Anspruch auf den Thron würde erheben können.

Valymir war erbost. Nachdem er Helios vergiftet und alles so eingefädelt hatte, daß Heliac seinen Tod durch die Hände des Geierclans finden sollte, schien dies seine Pläne zunichte zu machen. Doch nun mache sich Lady Cylia an die Arbeit und begann eine ganze Reihe von Intrigen. Sie versprach kleineren Häusern großen Reichtum, wenn sie den Anspruch ihres Bruders unterstützen würden. Eine Zeitlang schien es tatsächlich so, als würde ein Bürgerkrieg die Elfen endgültig spalten. Lady Cylia schickte ihre geheimen Botschafter selbst zum Wahrhaftigen König, um ihn um Unterstützung bei der Durchsetzung des Anspruchs ihres Bruders zu bitten. Obgleich er ihr seine Unterstützung versprach, wie er es bereits von Anfang an getan hatte, mußte er doch lächeln, als ihn diese Neuigkeiten erreichten. Sein eigener Plan hatte sich als durchschlagender Erfolg erwiesen. Indem er Lady Cylia seine Unterstützung zugesagt hatte, hatte er Zwietracht unter den Elfenhäuser gesät und einen seiner gefährlichsten Feinde ausgeschaltet, den Herzog Helios.

Der Wahrhaftige König schickte seine eigenen Gesandten zum Haus der Sonne- mit weiteren Gerüchten, daß Valymir in Wirklichkeit den Herzog getötet habe. Die Elfen standen kurz vor einem Bürgerkrieg; eine Aussicht, die selbst Valymir zunehmend beunruhigte, da Herzog Zazen zu dem Sohn seines alten Freundes Helios stehen würde. Die Schwarze Schlange brauchte weitere Unterstützung. Oder, besser noch, ein Land, in dem sie ihr eigenes Königreich errichten konnte, ungestört durch die anderen Häuser.

Heute erzählt man sich, daß die nächsten Geschehnisse eine direkte Folge der Tatsache waren, daß Lady Cylia dem Herrn der Finsternis die Treue schwor. Die Folge ist eines der finstersten Kapitel in der Geschichte der Elfen.

Lady Cylia und die Finsteren Ratgeber

Während die Macht offiziell in den Händen von Herzog Valymir liegt, existieren nur wenig Zweifel daran, daß die wirkliche Macht im Haus der Schwarzen Schlange in den Händen seiner Halbschwester liegt, der kalten und skrupellosen Lady Cylia. Gerüchten zufolge kann sie Abstammung bis zum Haus des Großfürsten zurückverfolgen, obwohl es niemand wagen würde, das in ihrer Anwesenheit zu sagen. Es existieren viele finstere Gerüchte über ihre Vergangenheit. Der mysteriöse Tod ihres älteren Bruders, der Erbe seines Vaters werden sollte, ist nur eines. Andere besagen, daß sie ihren Aufstieg ihrem Pakt mit dem Herrn der Finsternis verdankt. Wiederum andere besagen, daß sie sich an den Dunklen Thron verkauft hat und das Massaker am Drachenclan in Wirklichkeit ein Massenopfer für den Finsteren war. Manche sahen Schattengestalten, die ihr Ratschläge gaben. Bei diesen Ratgebern könnte es sich einfach um Weise oder Adlige aus ihrem Haus handeln, aber sollten die Gerüchte war sein, handelt es sich bei ihnen um die Geister der Herzöge des alten Hauses der Schatten , die vom Finsteren persönlich geschickt wurden. Sicher ist, daß sie zweifellos eine der kältesten und brutalsten Herrscherinnen ist, die jemals ein Haus der Elfen anführten, und einige ihrer Taten hätten auch gut zu den Lakaien gepaßt. Ob sie beabsichtigt, ihre Untertanen an den Finsteren zu verkaufen, muß die Zukunft erst noch zeigen.

Die Vernichtung des Drachenclans

"In den Kavernen unter Karath Dul suchte ich die wahnsinnigen Götter meines Clans und sprach zu ihnen über unsere glorreiche Vergangenheit, über unsere Verwandtschaft. Einige griffen mich an, ich verlor sogar mein rechtes Auge, doch ich weigerte mich, ihre Aggressionen zu erwidern. Vor der Entfesselung der Bestien waren sie unsere Götter, und nun brauchten wir erneut ihre Hilfe. Tief in ihrem Inneren tobte der Hunger. Das wilde Verlangen nach Rache an denjenigen, die sie so sehr erniedrigt hatten; denjenigen, die versucht hatten, sie zu vernichten. Unter großen Mühen gelang es mir, ihren Zorn gegen unsere Feinde zu richten. Als ich mit den Kreaturen an meiner Seite aus den Tiefen von Karath Dul hinaufstieg, hatten die Zwergenclans mächtige neue Verbündete. Unsere Götter mögen tot sein, doch jetzt haben wir die Blutbestien. Das ist mehr als genug."
- Kahlin Kag'n "erster Hüter der Bestien" und Hochkönig des Clans der Dunkeln Hauer

In dieser chaotischen Zeit herrschte in den Königreichen der Zwerge Aufruhr. Man konnte die Auswirkungen der Entfesselung der Bestien noch immer überall im Land spüren, und die Zwerge waren noch immer in einen brutalen Krieg mit den Bestien verwickelt, die sie einst verehrt hatten.

Bis zum Untergang ihrer Götter lebten die Zwerge in Harmonie mit ihren Gottheiten. Diese Wesen, die auch die Gründer genannt wurden, waren zwar größer als die Zwerge, ähnelten ihnen ansonsten äußerlich sehr. Jeder Clan hatte viele Götter, die mit ihnen zusammen in den Ringfesten lebten und dort herrschten. Sie selbst hatten bei der Errichtung der Ringfesten geholfen. In den Schlachten kämpften die Gründer selbst an vorderster Front. Sie schlugen große Löcher in die feindlichen Reihen und inspirierten ihre Schützlinge zu großer Tapferkeit. Nach der Entfesselung der Bestien wurde das jedoch alles anders. Rohe und wilde Energien sollten ihre Götter vernichten - doch die Götter starben nicht! Ihre Magie schützte die Gründer vor dem totalen Untergang, doch verwandelten sie sich in primitive und blutgierige Bestien. Der Schmerz der Verwandlung trieb sie in den Wahnsinn, und über mehrere Jahrzehnte wurden die Zwergen in ihren eigenen Festen gejagt und waren gezwungen, gegen die Kreaturen zu kämpfen, die sie einst verehrt hatten. Mehrere Ringfesten wurden bei der Jagd der Bestien auf ihre früheren Getreuen beinahe völlig zerstört.

Sowohl die Zwerge, wie auch ihre entarteten Götter wurden von einem ihrer größten Helden vor der Ausrottung bewahrt: Kahlin Kag'n, Hochkönig des Clans der Dunklen Hauer und Veteran aus dem Bundkrieg. Jahrelang hatte er gegen die Bestien gekämpft und mit ansehen müssen, wie seine Brüder abgeschlachtet wurden. Nachdem Aleha, die Erstgeborene, die bei ihm aufgewachsen war, seine Feste verlassen hatte, war Kag'n nur noch ein Schatten seines einstigen Selbst. Manche sagen, er stieg in die Tiefen seiner Feste hinab, weil er den Tod suchte. Andere wiederum behaupten, daß er seine Brüder schützen wollte und eine Waffe gegen die Streitkräfte der Elfen suchte, die weiter oben die Feste belagerten. Der wirkliche Grund spielt heute keine Rolle mehr. Es zählt einzig und allein die Tatsache, daß er hinabstieg, um sich den Bestien allein zu stellen. In den tiefen der Kavernen mußte er die verwesten Leichen und skelettartigen Überbleibsel ignorieren, die auf dem Boden der einst prächtigen Gänge überall verstreut lagen. Die Bestien griffen ihn an. Aber in diesem Moment vernahm Kag'n eine ferne Stimme in seinem Verstand. Sie war schmerzverzerrt und voller Wut. Die Stimme gehörte einer der Bestien. Mit der Hilfe von Kräften, von deren Existenz er zuvor nichts geahnt hatte, gelang es Kag'n, einfache Gedanken mit den Bestien auszutauschen. Eine sprang ihn an, riß eines seiner Augen heraus und tötete ihn beinahe, bevor eine größere Bestie ihn beschützte. Obwohl es Kag'n nicht wußte, hatte er mit dem Anführer des Rudels gesprochen. Es wäre falsch zu behaupten, daß er die Bestien zähmte, denn dies wird niemand je vermögen, gleich ob Sterblicher oder Gott. Aber er führte sie zurück in die Gesellschaft der Zwerge.

Als die Drachenreißer es beinahe geschafft hatten, in die Feste einzudringen, stieg Kag'n aus den Tiefen empor, blutbesudelt und dreckverkrustet. Er war kaum von den Bestien an seiner Seite zu unterscheiden. Bestien, die er nun in die Schlacht gegen die Elfen und ihre Drachenreißer führte. Er taufte die Kreaturen Blutbestien, und ihr Erscheinen stärkte den Mut und die Tapferkeit der kämpfenden Zwerge, so daß sie die Elfen besiegten und ihre Ringfeste retteten. In der Hoffnung, sich am Hof des Hauses der Sonne rehabilitieren zu können, hatte Herzog Valymir an der Schlacht teilgenommen, und die Niederlage, seine zweite gegen die Zwerge, hinterließ einen bitteren Nachgeschmack im Mund des Herzogs und stärkte sein Verlangen nach Rache.

Seine Chance kam, als Turgen Kel, Hochkönig des mächtigen Drachenclans, einen Angriff auf die Erstgeborenen verübte. Mit den Blutbestien an ihrer Seite konnten die Zwerge einen blutigen Erfolg für sich verbuchen und die Erstgeborenen aus der Stadt Nereth verdrängen, die der Clan nun für sich beanspruchte. Einheiten der Erstgeborenen wurden gegen den Drachenclan ausgesandt, konnten sie aber nicht mehr aus der Stadt vertreiben. Doch nun half Valymirs Gier dem Wahrhaftigen König ein weiteres Mal.

Der Elf ließ dem Hochkönig des Drachenclans ein Angebot für Verhandlungen über ein Bündnis gegen die Erstgeborenen überbringen. Obwohl er Valymir mißtraute, mußte Turgen Verbündete finden, um seine Kontrolle über die Stadt zu sichern. Aus diesem Grund lud er den Herzog und sein Gefolge in die Ringfeste des Drachenclans auf der Insel Duul ein. Der Elfenherzog wurde mit offenen Armen empfangen, und der Hochkönig lud ihn zu einem Festmahl ein. Die beiden Krieger schienen viele gemeinsame Ziele zu haben, und am Ende der Festivitäten in der ersten Nacht teilten sie den Wein und verschworen sich gegen die Erstgeborenen. Alle Anwesenden in der Halle waren Zeugen, wie die beiden zu Blutsbrüder wurden, auch wenn der Herzog grinste, als sich das Blut der beiden mischte. Die Feierlichkeiten gingen bis tief in die Nacht, und viele Zwerge waren stark angetrunken und schliefen bereits vor Erschöpfung.

Erst da enthüllte Valymir seine wahren Absichten. Er erhob sich von seinem Sitz, ging zu dem im Schlaf zusammengesunkenen Turgen und schlitzte dem Hochkönig die Kehle auf. Zur gleichen Zeit befand sich seine Schwester Cylia in den Schlafquartieren. Sie glitt wie ein Gespenst durch die Gemächer und tötete die gesamte Familie des Königs, einschließlich seines neugeborenen Zwillingspärchens. Auf ein stummes Kommando hin machte sich Valymirs sorgfältig ausgewählte Schwarze Garde auf und tötete jeden Zwerg in der Ringfeste, dessen sie habhaft werden konnte. Die meisten wurden im Schlaf ermordet, ihre Kehlen aufgeschlitzt, bevor sie aufwachten und ehrenvoll sterben konnten. Valymirs Schreiber natürlich zeichneten ein anderes Bild von den grausigen Ereignissen in dieser Nacht. Sie erzählen von einem fürchterlichen Kampf zwischen Valymir und dem Hochkönig, der den Elfenherzog während des Festmahles töten wollte. Sie behaupten, Turgen, besinnungslos von Wein und Lotusblüten, habe seiner Armee befohlen, die Elfen zu töten. Die traurige Wahrheit ist in der Tat, daß in dieser Nacht die Elfen ein feiges Massaker unter Wehrlosen veranstalteten.

Als die Soldaten der Feste die ersten toten Körper ihrer Brüder fanden, waren die Tore bereits weit geöffnet, und weitere Drachenreißer und Ritter stürmten herein. Der Alarm wurde ausgelöst. Die Zwergenkrieger stürmten auf die Gänge, und viele glaubten, die Erstgeborenen hätten angegriffen, nur um dann durch die Klinge eines Elfen zu sterben, den sie für einen Verbündeten gehalten hatten. Tief unter der Feste wurden die Drachenreißer auf die Blutbestien losgelassen. Die Blutbestien und ihre Hüter leisteten bis zuletzt erbitterten Widerstand. Die Götter des Drachenclans waren die letzten der alten Drachen, die einst die Welt beherrschten. Doch bei all ihrer Kampfkraft waren die Drachenblutbestien den Drachenreißern zahlenmäßig unterlegen. Die noch jungen Hüter waren mitten im Kampfgetümmel, und ihre Hände waren rot vom Blut der Elfen, bevor ihre Körper von den Drachenreißern zerfetzt wurden. Bei Anbruch des nächsten Morgens waren die Clanbestien sämtlich entweder tot oder lagen im Sterben. Sie wurden zu Futter für die Drachenreißer. Die Gänge der Feste waren übersät mit toten Zwergen. Alle, die sich nicht ergaben, wurden abgeschlachtet. Man sagt, ihre Körper lägen noch immer in den Kavernen unter der Feste, und am Jahrestag ihres Todes könne man noch immer ihre Todesschreie hören.

Die Überlebenden mußten sich dem Herzog Valymir beugen, ihrem neuen Herrscher. Der Herzog brachte seine gesamte Streitmacht auf die Insel und errichtete über der alten Zwergenfeste eine finstere spiralförmige Zitadelle für sich und seine Schwester. Er nannte seine Zitadelle Baal Hasor und hißte auf der höchsten Turmspitze sein Banner. Doch nicht das des Hauses, dem er die Treue geschworen hatte, des Hauses der Sonne, sondern sein eigenes, das der Schwarzen Schlange. Ein neuer Spieler hatte die elfische Bühne betreten. Eine Macht, der niemand, kein Elf, kein Erstgeborener, und kein Schwarzblüter, jemals wieder trauen sollte.

Trotz des Verlust ihrer Ringfeste war der Drachenclan nicht ausgelöscht. Eine kleine Streitmacht von Zwergen hielt in Nereth aus. Zusammen mit ihren Verbündeten planten sie, ihr altes Heimatland zurückzuerobern und ihre Brüder und Schwester zu befreien. Botschafter wurden ausgesandt und baten alle Clans der Zwerge um Hilfe. Tief in seiner Feste mobilisierte der alternde Kag'n seine Armee. Ihm folgten der Wolfsclan, die Geier und viele andere.

Aber es war bereits zu spät. Noch bevor ihre Armeen nach Nereth aufbrechen konnten, wurde die Stadt angegriffen. Die Erstgeborenen stürmten mit den Söhnen des Kronos die Stadt. Die wenigen Zwerge in der Stadt kämpften eine tapfere, aber zum Scheitern verurteilte Schlacht und starben bis zum letzten Mann, der letzte von ihnen mit seinem Rücken zu den Stadttoren. Als die Erstgeborenen die Stadt betraten, fanden sie niemanden mehr. Sie hatten alle in der Schlacht vor den Toren der Stadt gekämpft. Obwohl es ein Heldentod war, waren sie ihn dennoch gestorben. Der Drachenclan existierte nicht mehr, und Nereth befand sich erneut in den Händen der Erstgeborenen.

Kahlin Kag'n

Von allen Hochkönigen der Zwergen ist niemand berühmter als der mächtige Anführer der Dunklen Hauer. Seine Mutter entstammte dem Drachenclan, und sein Vater war ein weiser Ratgeber der Gründer der Dunklen Hauer. Kahlin erlebte die gesamte Geschichte der Welt mit und war persönlich in viele der wichtigsten Ereignisse verwickelt. Es war sein Respekt vor den Barbaren aus dem Norden und seine Abscheu vor dem unehrenhaften Massaker an den Erstgeborenen nach dem Tod des Wahrhaftigen Königs, die ihn dazu bewegten, den Barbaren freies Geleit nach Süden zu gewähren, wo sie ihre Brüder aus dem Süden befreien wollten. Kahlin selbst taufe die Erstgeborenen aus dem Norden Blutrausch. Ein Name, der mindestens ebenso oft verwendet wird wie der, den sie selbst gaben - die Söhne des Kronos. Er zog die Erstgeborene Aleha auf, bis sie seine Feste verließ, um als Prophetin vor den Erstgeborenen zu predigen. Kag'n war auch der erste Zwerg, der nach der Entfesselung der Bestien mit den wahnsinnigen Göttern seines Clans kommunizierte und Hüter der Bestien wurde. Sein Tod war tragisch. Nach dem Großen Verrat erreichten den Hochkönig die Nachrichten über die Erhebung der Lakaien. Kahlin zog gegen sie in den Krieg, nur um herauszufinden, daß Aleha, die er als seine Tochter betrachtete, nun selbst eine Prophetin der Finsternis war. Ihr Anblick inmitten ihrer Armee brach ihm das Herz. Er starb kurz darauf in seiner Ringfeste. Zwei der Blutbestien hielten während seiner letzten Tage Wache über seinem Körper. Als er starb, heulten die Blutbestien aller Ringfesten der Welt gleichzeitig auf.
Der Erste Hüter war gestorben. Der größte Held in der Geschichte der Zwerge war tot.

Der Große Verrat

"Es gibt ein Grauen jenseits unserer Welt, eine Gefahr jenseits des Fleisches. Der Wahrhaftige König warnte uns in seiner unendlichen Weisheit und lehrte uns Wege, uns für immer vor diesem Grauen zu schützen. Denn würden sich die Erstgeborenen dem Herrn der Finsternis zuwenden, würden wahrlich bald die Flammen der Hölle diese Welt verzehren."
- Aus den Chroniken des Blutes

Während der Wahrhaftige König sein Reich ausdehnte, konnten ihm die Vier Propheten nur zusehen und sich dabei verraten fühlen. Sie hatten die Erstgeborenen auf die Rückkehr des Wahrhaftigen Königs vorbereitet, die nur auf einen Führer gewartet hatte. Sie hatten seine Armeen zu ihrer Rache geführt und an seiner Seite gekämpft. Und was hatten sie als Belohnung bekommen? Das Land der Erstgeborenen wurde in sieben kleinere Fürstentümer aufgeteilt, die jeweils unter der Kontrolle eines vom Wahrhaftigen König eingesetzten Fürsten standen, eines Fürsten aus der Kriegerelite, die sie aufgebaut hatten. Und alles, was ihnen jetzt noch blieb, war das Recht, ihre Religion auszuüben. Um weiterhin von der Rückkehr des Wahrhaftigen Königs und von seinen Taten zu predigen. Das galt ihnen nichts, weniger als nichts. Selbst ihren Einfluß hatten sie verloren. Der Wahrhaftige König war so sehr mit seinem Krieg, der Ausdehnung seines Reiches und der Erforschung der Zeitströme beschäftigt, um sich auf die Geburt des Bösen vorzubereiten, daß er seine alten Verbündeten ignorierte. Die Ironie des Schicksals ist, daß er so erst das Böse schuf, das er aufzuhalten suchte.

Im ersten Jahrzehnt des neuen Königreichs stieg sowohl die Macht als auch der Einfluß der Chronomanten. Sie waren Elitekrieger, die der Wahrhaftige König aufgrund ihres überlegenen Intellekts und ihre Fähigkeiten im Kampf sorgfältig ausgewählt und in die Geheimnisse der Zeit eingewiesen hatte. Als die Propheten den Wahrhaftigen König baten, sie selbst zu unterrichten, wies er sie ab. Dies war ihre letzte Zurückweisung. Die Propheten verließen die Hauptstadt.

Als die Bedrohung durch die anderen Nationen wuchs, wurden die gesamten Grenzländereien des Königreiches in ständige Alarmbereitschaft versetzt. Der Frieden, den ihre heiligen Schriftrollen prophezeit hatten, der Frieden, den der Wahrhaftige König ihnen bringen sollte, war zwar eingetroffen, doch die Gefahr nicht aus der Welt gewichen. Viele Erstgeborene erinnerten sich an ihre Zeit unter den Elfenherzögen als eine Zeit des Friedens und des Wachstums. Denn sie hatten zwar keine Freiheit, dafür war die Welt jedoch auch das, was sie zu sein schien. Sie wußten, was sie von ihrem Land und ihren Herren zu erwarten hatten. Als die vier Propheten durch die sieben Reiche der Erstgeborenen reisten, hörten sie die Klagen ihrer Anhänger. Viele fragten sie, warum sie gelogen hätten. Warum die Tage des Friedens und des Glücks, die ihnen versprochen worden waren und für die sie gekämpft hatten, nicht gekommen wären. Viele Erstgeborene hatten das Gefühl, nur eine Fessel gegen eine andere getauscht zu haben. Die Propheten konnten keine ihrer Fragen beantworten, doch jede Frage rammte ein weiteres Messer in ihre einst loyalen Herzen. Aus einigen Dörfern wurden sie sogar verjagt und für die Leiden des Hungers und der Pest verantwortlich gemacht, die sich nach und nach im ganzen Reich verbreiteten.

Sie erkannten, daß der Wahrhaftige König nicht nur sie verraten hatte, sondern sein gesamtes Volk. Und mit gedämpfter Stimme begannen sie zu erwägen, ob sich bei ihrem Führer vielleicht gar nicht um den wiedergeborenen Wahrhaftigen König handelte. Vielleicht war er ein anderer, ein falscher König. Ihre Predigten erhielten langsam einen düsteren Unterton. Sie waren verraten worden. Sie sammelten die Unzufriedenen in großen Höhlen unter den Städten der Erstgeborenen, in einer düsteren Erinnerung an die Tage, als sie noch gegen den Bund predigten. Ihre neue Lehre erzählte von einem Falschen König. Dem Großen Verräter, der auf seiner Suche nach Macht seine eigenen Brüder auf dem Schlachtfeld verraten und verkauft hatte. Dem König, dem mehr an den seelenlosen Energien seiner Türme der Ewigkeit lag als an dem Leid seines verhungernden und vom Krieg gebeutelten Volkes. Ihre Worte verbreiteten Unruhe im Königreich.

Wieder einmal nahte ein Krieg. Er schien unausweichlich. Die Anhänger der Propheten, die sich selbst Lakaien nannten, begannen, die Propheten anzuflehen, sie von dem Falschen König zu befreien. Ihnen die Stellung zu verschaffen, nach der sie sich sehnten und die ihnen zustand. Trotz ihrer wachsenden Anhängerschaft wußten die Propheten, daß eine offene Rebellion zum gegenwärtigen Zeitpunkte zum Scheitern verurteilt sein würde, besonders da die Eiserne Garde des Königreich fest im Griff hatte und die Chronomanten das gesamte Land mit ihren mächtigen Zaubersprüchen beobachteten. Die zauberkundigen Ritter waren in der Lage, das Gefüge der Realität zu ändern, um die Zeit langsamer vergehen zu lassen oder zu beschleunigen. Sie konnte grausame Kreaturen aus dem Nichts erschaffen und andere schreckliche Dinge tun. Wenn es den Propheten und ihren Lakaien nicht gelang, ihre Kontrolle über das Königreich zu schwächen, war die geplante Rebellion der Lakaien zum Scheitern verurteilt, bevor überhaupt das erste Schwert erhoben worden war. Die Propheten suchten also nach einer Möglichkeit, die Macht der Chronomanten auszuschalten, und forschten in alten Schriftrollen und Dokumenten.

Über ein Jahr zogen sich ihre Forschungen hin. Sie verschlangen alles, was sie über die andere Welt, die Welt der Finsternis, in Erfahrung bringen konnten. Sie erinnerten sich an ihre Seelenreise, als sie am Galgen baumelten. Sie erinnerten sich an den Finsteren selbst, dem sie einst aus Überzeugung getrotzt hatten, und an ihren "Wahrhaftigen König". Hoch im Norden des Königreichs der Erstgeborenen, auf der Insel, die später die Insel der Toten genannt werden sollte, betraten sie einen neuen Pfad. Mit Formeln und Ritualen aus längst vergangener Zeit beschworen sie den Herrscher der Finsternis aus dem Loch der Unendlichkeit und flehten ihn um Hilfe an. Das Zeitalter der Dunkelheit war angebrochen.

Wiederum existieren verschiedene Versionen der Geschichte des Großen Verrats. Einige behaupten, die Propheten seien schon immer Schachfiguren des Finsteren gewesen und hätten nur seinen dämonischen Willen ausgeführt. Andere sagen, einer von ihnen sei der fleischgewordene Finstere selbst gewesen. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Als sicher gilt, daß sie dem Finsteren in dieser schicksalhaften Nacht ein Opfer für seine Hilfe anboten. Fünftausend ihrer Anhänger wurden abgeschlachtet. In dem Glauben, sie stürben für eine gute Sache und ein höheres Ziel, gingen sie still und freiwillig in den Tod. Die Hände der Propheten waren rot vom Blut, doch sie lächelten, als ein schwarzer Blitz über den Himmel zuckten und ein Regen von Blut auf das gesamte Land niederging. Der Finstere kündigte sein Kommen an.

Das war die Zeit, als der Wahrhaftige König vor Nereth noch den entscheidenden Angriff auf die letzten überlebenden Zwerge des Drachenclans vorbereitete, die noch immer ihre Stadt hielten. Sein Plan war aufgegangen, und ihre Brüder und Schwestern waren auf ihrer Heimatinsel gefangen, als Sklaven des Elfenherzogs Valymir. Erst wenige Tage zuvor waren die Söhne des Kronos mit der Nachricht vom Massaker am Clan der Drachen eingetroffen, und nun hatte sich das Blatt zugunsten des Wahrhaftigen Königs gewendet. Bei Tagesanbruch hatten die Zwerge sich in einem letzten verzweifelten Angriff noch einmal gegen ihre Belagerer geworfen. Die Blutbestien ihrer Hüter zerrissen zahllose Erstgeborene, doch die Chronomanten des Wahrhaftigen Königs wiederum setzten ihre Fähigkeiten effektiv gegen die Blutbestien ein. Eine Zeitlang tobte die Schlacht hin und her, doch die Streitkräfte des Wahrhaftigen Königs wurden von den Barbaren aus dem Norden verstärkt, und sie gierten nach dem Sieg. Der Geist des Drachenclans war bereits gebrochen, aber die verzweifelten Zwerge waren zu stur, das unabwendbare Schicksal zu akzeptieren. Der letzte Zwerg starb vor den Toren der Stadt durch die Klinge eines Chronomanten und hielt in seinen Händen noch immer fest das blutgetränkte Banner des Drachenclans.

Als er das Gemetzel mit ansah, empfand der Wahrhaftige König kein Bedauern. Reue war etwas für niedere Sterbliche. Er hatte die große Finsternis vorhergesehen, die sein Volk bedrohte, und von nun an würde er sein ganzes Leben und alle seine Handlungen den ultimativen Ziel widmen, zu verhindern, daß seine Visionen Realität werden würden. Seine Visionen einer Welt in Flammen und einer Herrschaft des Finsteren, von demselben Thron aus, der einmal der Thron des Wahrhaftigen Königs gewesen sein würde. Als er mit seinem Schlachtroß in die Stadt ritt, begann sein vom Krieg angeschlagener Körper zu zittern. Sein Blick war nach oben gerichtet, als ein schwarzer Blitz über den klaren blauen Himmel zuckte. Mit einem markerschütternden Schrei der Verzweiflung krümmte sich der König und umklammerte sein herz. Es hätte es den Anschein, als hätte eine unsichtbare Hand einen Dolch direkt in sein Herz gestochen. Fürst Timor war Sekundenbruchteile später an seiner Seite. Er war einer der stolzesten und erfahrensten Chronomanten und trug den Wahrhaftigen König in sein Lager und hielt tagelang bei ihm Wache, während der sein König von Krämpfen geschüttelt wurde und an einem schrecklichen Fieber litt.

Im Norden und Osten begannen die Propheten, nun von ihrem Finsteren Gott gestärkt, mit ihrem Marsch auf die Hauptstadt. Sie suchten und fanden einen neuen König, einen Bauern aus einem der Dörfer, durch das sie zogen. Sie benutzten ihre neugewonnen Fähigkeiten, um ihm magische Kräfte zu verleihen, erklärten ihn zum echten Wahrhaftigen König, und den Mann auf dem Thron der Erstgeborenen zu einem Betrüger, der mit dem Finsteren im Bunde stand. Überall im Land glaubten ihnen die Erstgeborenen und schlossen sich ihnen an. Wenn ihr Herrscher mit dem Finsteren im Bunde stand, erklärte dies endlich, warum er ständig Krieg führte und über seine geheimgehaltenen Studien sein Volk vernachlässigte. Es erklärte auch die Sieben Türme und die finsteren Rituale, die angeblich innerhalb ihrer gefürchteten Mauern durchgeführt wurden. Die Eiserne Garde, die für den Wahrhaftigen König über das Königreich wachte und seine Gesetze im Volk durchsetzte, versuchte, die Rebellion zu unterdrücken, doch ihre Schwerter konnten gegen die Massen des Volkes, denen sie gegenüberstand, nichts ausrichten.

Die Propheten betraten Chronopia an der Spitze ihrer Armee und verbreiteten himmelschreiende Verleumdungen und Lügen. Doch in der Stadt die durch die drohende Gefahr eines Bürgerkrieges bereits zum Pulverfaß geworden war, entzündete dieser Funke ein Feuer, das beinahe zur Vernichtung der Erstgeborenen geführt hätte. Das Volk erhob sich und schrie nach Gerechtigkeit. Die Eiserne Garde wurde mobilisiert, um den Palast des Wahrhaftigen Königs zu schützen, und blutige Gefechte tobten in der Stadt. In den Kanälen und Rinnsteinen floß das Blut der kämpfenden Erstgeborenen, als die Garde verzweifelt versuchte, die Ordnung zu erhalten. Sie hätte vielleicht Erfolg damit haben können, wenn nicht der Hauptmann der Siebten Garde, Korlan Zeysen, zu den Lakaien übergelaufen wäre.

Von den Propheten durch das Versprechen ungeahnter Macht in Versuchung geführt, wechselte er die Seiten und erklärte sich selbst zum Thronanwärter. Seine Soldatenlegion folgte ihm. Tagelang kämpften Soldaten gegen Soldaten und Erstgeborene gegen Erstgeborene. Da der Wahrhaftige König sich nicht blicken ließ, machten Gerüchte die Runde, er sei von einem erzürnten Gott erschlagen worden, der Finstere selbst habe seine Seele gefordert, oder er sei dem Wahnsinn erlegen. Seine Getreuen kämpften zwar weiter, doch mit sinkender Entschlossenheit. Wo war der König? Seit dem Beginn der Rebellion hatte er genügend Zeit gehabt, zurückzukehren und seine Getreuen gegen die Rebellen in die Schlacht zu führen. Viele verloren die Hoffnung und flohen aus der Stadt, um sich anderswo ein neues Leben aufzubauen. Andere schlossen sich den Rebellen an. Einige kämpften weiter und fanden den Tod durch die Klingen der Rebellen. Langsam, aber sicher rückte der Sieg der Lakaien näher. Vier Tage, nachdem sie in die Stadt eingedrungen waren, fiel sie in die Hände der Propheten und ein neuer König wurde zum Herrscher über Chronopia gekrönt. Ein König, der die Propheten an seiner Statt regieren ließ. Das Königreich war in ihre Hände gefallen.

Der Herr der Finsternis

Der Finstere ist der Herrscher der Schattenwelt. Man sagt, er sei das erste Wesen, dem der Schöpfer Leben einhauchte. Alle Schriften, die nur den ranghöchsten und mächtigsten Chronomanten und Lotushexern der Elfen bekannt sind, berichten von der Zeit, als die Welt entstand. Die Erzählungen der verschiedenen Rassen unterscheiden sich hier voneinander. Die Erstgeborenen glauben, die ersten Wesen hätten in einem Stamm gelebt, dessen Anführer seinen eigenen Bruder erschlug, weil er eine Frau namens Lilith begehrte. Zur Strafe für sein Verbrechen versuchte der Schöpfer, sein Geschöpf zu vernichten, hatte jedoch keinen Erfolg. Der erste Mörder hatte gelernt, die Essenz des Lebens selbst anzuzapfen und sie gegen seinen Schöpfer zu richten. In der Schlacht, die folgte, wurde er dennoch besiegt und in die Hölle geschickt, die er selbst erschaffen hatte. Mit ihm gingen diejenigen seines Stammes, die ihm immer noch folgten. Seit damals landen die Verdammten in seinen Gruben der Verzweiflung, in denen er auf den Tag wartet, an dem er die Schöpfung vernichten und sich an dem rächen kann, der ihn einst erschuf. Obwohl sich alle Erzählungen geringfügig unterscheiden, ist die zugrunde liegende Geschichte bei allen Rassen gleich. Die Elfen stimmen darin überein, daß der Herr der Finsternis ein Erstgeborener sein muß. Sie sind jedoch der Ansicht, daß der erste Stamm aus Elfen bestand und die Sünde erst mit der Erschaffung der Menschen kam. Die Schwarzblüter schieben die Schuld auf einen Goblin, der den ersten Orkkaiser zum Bösen verführt habe. Die Zwerge sehen in dem Herrn der Finsternis einen der Ihren, der seine Schwüre brach und seine Brüder erschlug, eine Sichtweise, die seine Verehrung bei den Schakalen und einigen Zwergen vom Geierclan so beliebt macht. Sicher ist, daß der Herr der Finsternis ein Wesen mit sehr realer Macht ist und durch die Machenschaften seiner Propheten und ihrer Lakaien eine Gefahr für die ganze Welt selbst darstellt. Er hat viele Namen - man nennt ihn den Leidbringer, den Herrn der Finsternis, den Finsteren, Höllenfürst und Torwächter.

Die Rache des Wahrhaftigen Königs

"Der Wahrhaftige König erhob sich von seinem Sterbebett, als er von den Thronräubern hörte. Er raste vor Zorn. Tausend Flüche brachen aus ihm hervor, während er sich die Handfläche aufschnitt und im Namen seiner Vorfahren einen Blutschwur tat, daß die Verräter ihre Taten teuer bezahlen würden."
- Aus den Chroniken des Blutes

Im fernen Nereth verschwand das Fieber des Wahrhaftigen Königs in dem Moment, in dem die Krone den Schädel seines Thronräubers berührte. Als er sich aus dem Krankenbett erhob, trafen Reiter aus Chronopia mit den schrecklichen Neuigkeiten ein: Das Königreich war gefallen. Während der Wahrhaftige König die Grenzen der Erstgeborenen beschützt hatte, kam der Verrat aus dem Inneren. Schweigend hörte er sich die Berichte der jüngsten Ereignisse an - vom Verrat der Propheten. Von den Leichen, die vor den Toren Chronopias in Massengräber lagen. Und von den düsteren Gerüchten über den Ursprung der neuen Macht der Propheten. Der König blieb nach lange, nachdem die Nachrichten überbracht worden waren, stumm. Blitze hätten aus seinen stählernen Augen zucken können, und niemand wäre überrascht gewesen. Während er sich erhob, schnitt er sich die rechte Handfläche auf und verfluchte die Verräter. Er tat einen ewigen Blutschwur, daß er sie bezahlen lassen würde. Daß alle, die Verrat an den Erstgeborenen begangen hatten, bezahlen würden.

Innerhalb von Stunden marschierte seine Armee. Als sie sich der Hauptstadt näherten, bemerkten sie, daß das, was später das Zeitalter der Finsternis genannt werden würde, über die Welt hereingebrochen war. Familien waren dem Wahnsinn verfallen und erschlugen ihre Blutsverwandten, Kälber wurden mit zwei Köpfen geboren, Blut regnete vom Himmel herab, und die Geister der Verstorbenen kehrten zurück, um ihre Nachfahren vor einer großen Gefahr zu warnen. In jedem Dorf, durch das sie zog, waren neue Geschichten des Schreckens zu hören und die Lakaien waren schier überall. Tod und Blutvergießen wurden ständige Begleiter der königlichen Armee, als sie die Verräter zur Rechenschaft zog. Wer nicht in der Schlacht ums Leben kam, wurde an Kreuzen den Geiern als Festschmaus überlassen. Das Königreich der Erstgeborenen ertrank in seinem eigenen Blute. Doch die Wut wich nicht aus den Augen des Wahrhaftigen Königs - auch dann nicht, als er nach mehreren Wochen des Kampfes einen Hügel erklomm und die Türme von Chronopia wiedersah.

Während des Rückmarsches schlossen sich viele Erstgeborene seiner Armee an. Chronomanten aus den Sieben Türmen, Vertreterinnen der Schwarzen Schwesternschaft mit den Söhnen des Kronos, Paladine und einige Überlebende der Eisernen Garde, die nicht zu den Propheten übergelaufen und ihrem König treu geblieben waren. Als sie Chronopia erreichten, hatte der Wahrhaftige König schließlich eine der größten Armeen versammelt, die jemals auf der Welt von Chronopia gesehen wurde. Trotz ihrer üblen Machenschaften war es den Propheten nicht gelungen, die Massen für sich zu gewinnen. Wer sich ihnen angeschlossen hatte, machte sich im Schutze der Dunkelheit davon. Die Propheten wurden besorgt und merkten, daß sie einen fatalen Fehler gemacht hatten. Ihre neue Marionette erlag bereits den Annehmlichkeiten der Macht und erging sich in kranken und abscheulichen Vergnügungen, machte jedoch keinerlei Anstalten, sich dem Wahrhaftigen König zu stellen. Väter, die ihre verschollenen Nachkommen suchten und ihre Spuren in den Palast folgten, fanden die von Maden zerfressenen Leichen ihrer Söhne die im Thronsaal zuhauf gestapelt lagen. Junge Liebende fanden ihre Verlobten tot auf - Opfer von Lotusblüten, Wein und unbeschreiblichen Ausschweifungen. Die Propheten versuchten den König zu einem Angriff auf die nahenden Truppen des Wahrhaftigen Königs zu überreden, doch ihre Marionette war bereits dem Schwachsinn verfallen und gab sich nur noch Drogen und obszönen Orgien hin.

In dem Wissen, daß sie in einer Schlacht keine Chance haben würden, sie aber auch den Tod finden würden, wenn sie sich ergaben, führten die Propheten ihre Streitkräfte in blinden Zorn gegen die Armee des Wahrhaftigen Königs. Keine der beiden Seiten gab nach und Tausende mußten ihr Leben lassen. Schließlich nutzte die Streitmacht des Wahrhaftigen Königs ihre zahlenmäßige Überlegenheit und zwang die Lakaien in die Mauern der Stadt zurück, doch selbst jetzt weigerten sich die Lakaien, aufzugeben. Die Eiserne Garde rächte sich brutal an ihren früheren Kameraden, die ihren Treueschwur gebrochen hatten. Nach zwei Tagen des blutigen Kampfes ergaben sich die Lakaien schließlich, oder jedenfalls das, was von ihnen übrig war. Wer sich weigerte, vor dem König niederzuknien, wurde durch die Straßen getrieben und zur Warnung gekreuzigt. Der Wahrhaftige König persönlich kämpfte sich den Weg zu seinem Thronräuber durch und nahm seine verdiente Rache. Er verließ den Palast mit dem Kopf des Thronräubers in der Hand und warf ihn streuenden Hunden zum Fraß vor und verbot es, den Namen des Betrügers jemals wieder auszusprechen. Die Rebellion war niedergeschlagen.

In den Tagen nach der blutigen Rebellion war die Vergeltung noch nicht beendet. Überall im Land wurde der Erlaß ausgerufen, die Kathedralen der Lakaien zu zerstören und alle zu töten, die ihrer Religion folgten. Ein neuer Orden wurde aus den mutigsten und härtesten Kriegern der Erstgeborenen gebildet. Der Orden der Richter der Sieben Türme. Die Richter reisten über das Land, um auch die letzten der Lakaien aufzuspüren. Der Wahrhaftige König gab ihnen die Vollmacht, zu richten und ihre Urteile selbst zu vollstrecken, egal, wie hart sie auch immer ausfallen mochten, Hunderte wurden hingerichtet.

Als der erste Richter die Stadt verließ, wurden die Führer der Rebellion vor den immer noch vor Zorn sprühenden Herrscher geschleppt. Der Wahrhaftige König wurde nie aufgebrachter gesehen als an diesem Tag, als er seinen alten Lehrern gegenüberstand und sie verurteilte. Und in diesem Moment beging er den größten Fehler seines Lebens - er ließ sie am Leben. Er verbannte sie zusammen mit ihren überlebenden Anhängern aus seinem Königreich und schwor ihnen, daß sie einen grausamen Tod finden würden, sollten sie jemals wieder einen Fuß auf das Land der Erstgeborenen setzen. Daß er sie persönlich kreuzigen würde, um das Leben aus ihren verkommenen Leibern weichen zu sehen.

Schweigend, aber voll von unbändigen Haß verließen die Propheten Chronopia. Als sie durch die Tore der Stadt schritten, sahen sie ihre gekreuzigten Anhänger auf den Straßen, von denen einige noch immer mit dem Tod rangen. Schweigend verließen sie den Ort ihrer großen Niederlage und schauten nicht zurück. Statt dessen schworen sie dem Wahrhaftigen König flüsternd ewige Rache.

Monatelang wanderten die Propheten Tag und Nacht, bis sie schließlich die zerstörte Ringfeste Keraak Kat erreichten, die einst dem Clan der Schakale gehörte. Dort boten ihnen die überlebenden Angehörigen des Clans eine vorübergehende Unterkunft an, und zum ersten Mal erkannten die Propheten, daß sie nicht einzigen waren, die dem Finsteren dienten. Das sich seine unheilige Botschaft im ganzen Land verbreitet hatte, und die Herzen aller Rassen berührt hatte. Das Zeitalter der Finsternis nahm seinen Lauf.

Die Unheilige Allianz

"Ich werde meine Krallen in die Brust des Wahrhaftigen Königs stoßen und ihm sein pochendes Herz aus der Brust herausreißen. Meine finstere Macht wird seinen erbärmlichen Leib am Leben erhalten, während ich sein Fleisch vertilge. Und selbst dann werde ich ihn nicht sterben lassen. Ich werde alle finden, die ihm nahestehen, und sie unaussprechlichen Foltern aussetzen und den Verräter zwingen, alles mit anzusehen. Ich werde die Haut von seinem Körper reißen, seine Untertanen foltern, sein Königreich niederbrennen und seine Seele in die tiefste aller Höllen schicken. Und dann werde ich auf die Asche seiner Leiche spucken. Erst dann wird meine Rache beendet sein."
-Negral Zarákins "Finsterer Schwur"

Grekan Malkur, der Anführer der Schakale, ließ bereits Anzeichen des finsteren Einflusses erkennen, dem er erlegen war. Nach ihrem Verrat an den anderen Rassen während der Entfesselung der Bestien wurden die Schakale hart bestraft und von den anderen Clans beinahe ausgelöscht. Grekans Vater überlebte nur, weil er sich mit einigen Kameraden in den tiefsten Löchern der Feste versteckt hatte und die Todesschreie seiner Clanbrüder von weiter oben ignorierte.

In den ersten Jahrzehnten danach erlangten sie langsam die Kontrolle über ihre Feste wieder, die die anderen Clans als verflucht betrachteten, und gestalteten sie nach der düsteren Vorstellung ihres neuen Meisters um. Blutopfer waren an der Tagesordnung, und die Schakale scherten sich nicht darum, wer ihre Opfer waren. Sie hielten ihre hungrigen Blutbestien in Gruben gefangen, die nach dem Fleisch der Opfer stanken. Ihr gutturales Gebrüll hallte durch die Feste und jagte selbst den Propheten der Finsternis kalte schauer über den Rücken.

Die Thronhalle ihres Hochkönig war kaum ein schönerer Anblick. Blutrote Pilze wuchsen an den Wänden und Decken und die Narben, die der Feste durch den Angriff der anderen Clans zugefügt worden waren, waren noch immer überall sichtbar. An den verkohlten Deckenbalken klebte noch immer vertrocknetes Blut, und Möbel waren achtlos in dunkle Ecken geworfen worden. Der Gestank des Todes und des Verfalls lag in der Luft, und wenn sie an die Pracht dachten, die sie in Chronopia zurückgelassen hatten, mußten die Propheten an diesen Ort glauben, der Wahrhaftige König hätte sie tatsächlich hingerichtet, und in die tiefsten Gruben der Hölle geschickt.

Dies waren die Hallen, in denen sich die Lakaien erholten und erneut vorbereiteten. Die vier Propheten berieten sich mit dem Anführer der Zwerge und fanden neue Wege, die Hilfe des Finsteren zu beschwören. Spähtrupps wurden ausgeschickt und kehrten mit Reisenden zurück, die dumm genug waren, sich in die Nähe der alten feste zu wagen. Man riß ihnen bei lebendigen Leib das herz heraus. Hunderte wurden dem Finsteren geopfert, um im Gegenzug mehr Wissen und größere Macht zu erlangen.

Man sagt, daß die Erstgeborenen, die die Feste betraten, bereits den Herrn der Finsternis anbeteten und eine Schande für ihre Rasse waren, aber nichtsdestoweniger Erstgeborene. Nach sechs Monaten in diesem wurmzerfressenen und blutbesudelten Grab waren die letzten Spuren ihrer Menschlichkeit verschwunden und dem gewichen, was noch heute die wahren Lakaien sind.

Die Propheten der Finsternis brüteten lange über die Frage, wie sie ihre Rache verwirklichen konnten. Sie würden ihre Streitkräfte in vier Gruppen aufteilen, die von jeweils einem der Propheten in die vier Ecken der Welt geführt werden sollten. Andere würden ihnen folgen. Schon jetzt schlossen sich Ausgestoßene ihren Reihen an, die gerne bereit waren, ihre Seelen dem Finsteren zu verkaufen. Bereits jetzt sind einige von ihnen in die verdammten Kreaturen verwandelt worden, die heute die Verlorenen genannt werden. Viele der ehemaligen Mitglieder der Eisernen Garde wurden zu den gefürchteten Blutrittern. Der Plan war einfach. Jeder Prophet der Finsternis, wie sie jetzt genannt wurden, würde seine eigene Armee aufstellen und ein eigenes Königreich bilden. Sie würden die anderen Rassen bei jeder Gelegenheit angreifen. Sie würden töten, verstümmeln und opfern, wann immer sich ihnen die Gelegenheit bot. Ihr Einflußbereich würde sich langsam vergrößern, bis eines Tages der Tag der Rache kommen würde, an dem sie die kleineren Königreiche verwüsten und bis ins Herz von Chronopia vordringen würden. Dort würden sie ihren Folter- und Racheschwur an dem Wahrhaftigen König verwirklichen und seine gefolterte Seele ihrem Meister zum Fraß vorwerfen.

Als sie die Feste verließen, brach gerade die Dunkelheit herein. Der Clan der Schakale schloß sich ihrem Marsch an. Er verbrannte sein altes Heim hinter sich, wobei viele Opfer noch immer eingekerkert und an die alten Mauer gekettet waren. Ein letztes Opfer für den Finsteren. Nun teilten die Propheten ihre finsteren Streitkräfte in die vier infernalischen Legionen. Während hinter ihnen Keraak Kat von den Flammen verschlungen wurde, gingen die vier finsteren Legionen ihrer getrennten Wege.

Sie reisten in die vier Ecken der bekannten Welt, wo sie große Zitadellen errichteten, in denen sich ihre Anhänger sammelten. Schreckliche Opfer wurden dem Herrn der Finsternis dargebracht, um ein Dimensionstor in das Zwielichtreich zu öffnen, durch das die dämonischen Diener ihres Herren - die Augen des Finsteren, die Gepeinigten, die Höllenschwingen und viele andere widerwärtigen Kreaturen - die Welt betraten. Der Gott der Finsternis lächelte und gab den Propheten die Macht, Nekromanten aus ihren Reihen zu erwählen. Er verwandelte die einheimischen Tiere in Aasbestien, die ihren Opfern das Fleisch von Körper reißen konnten, damit ihre Herren die Skelette wiederbeleben und sie in die Dienste des Finsteren stellen konnten.

Nemeth nahm die meisten Schakale mit sich und führte im Westen einen grausamen Krieg gegen den Clan der Gehörnten. Nach Jahren des Kampfes brachen Nemeths Schattenkrieger durch die Verteidigungsanlagen der Ringfeste Gargildur, erschlugen ihren Hochkönig und opferten alle Zwerge die sich im Inneren befanden, bevor sie die Feste für ihre eigenen verdorbenen Zwecke umgestalteten. Jahrzehntelang blieben die Propheten in ihren finsteren, geheimnisvollen Festungen. Sie bereiteten sich auf die kommende Schlacht vor. Ihre Reihen wuchsen um die Dämonen aus den sieben Höllen und den verbannten Abschaum aus sämtlichen Königreichen, der sich ihnen in wilder Gier nach Macht anschloß. Ihr Wissen über die dunklen Künste wuchs, und die vier Propheten wurden sogar noch verderbter, noch verkommener. Ihre Herkunft aus den Reihen der Erstgeborenen ließen sich kaum noch mehr erahnen. Pausenlos hallten Todesschreie von Opfern durch die blutbesudelten Hallen aller vier Türme. Omen wurden gedeutet, die Sterne gelesen und Entscheidungen getroffen.

Die Propheten der Finsternis berieten sich in der Unterwelt miteinander und planten ihre Rache. In der anderen Welt wurden Städte erbaut und fielen nieder. Die Elfenhäuser setzten ihre Intrigenspiele fort, der Wahrhaftige König seinen Krieg gegen die anderen Rassen, die Zwerge ihren Kampf gegen die Elfen und die Erstgeborenen und die Schwarzblüter gegeneinander. Niemand ahnte etwas von der Finsternis, die sie zu überrollen drohte. Nur der Wahrhaftige König wußte von der drohenden Gefahr, von der fürchterlichen Gefahr, die am Rande der Welt lauerte ... doch selbst er ahnte nicht, daß so viel Blut vergossen werden sollte, so viele Leben ausgelöscht werden würden.

Es geschah an dem Tag, der als Tag des Schreckens in die Geschichte eingehen sollte. Mit der Morgendämmerung griffen die Lakaien die Außenposten aller Nationen an. Ihre Gepeinigten, Blutritter, Verdammten und Nekromanten mit ihren Knochenhorden zogen gegen die Schwarzblüter bei Qatuk, Eisengrat und den Salzsümpfen zu Felde. Lokoths abscheulichen Biestmenschen zermalmten die Zwerge vom Clan der Wölfe und Blutknochen unter ihren Hufen, als sie sich einen Weg zum inneren Meer freikämpften. Alehas Dämonenbestien drängten die Zwerge zurück auf ihre Heimatinsel, zerstörten den Elfenhafen Myerma und verspeisten die Überlebenden bei lebendigen Leibe. Nemeths Krieger trafen auf die Erstgeborenen und die Söhne des Kronos und brachten das Unvorstellbare zuwege. Sie drängte die Blutrausch zurück in ihre eigene Länder, etwas, das Jahrhunderte zuvor nicht einmal der Bund geschafft hatte.

Bis heute hat niemand sich getraut, die Zahl der Opfer dieses ersten Tages des Blutvergießens zu ermitteln. Die wenigen Überlebenden, die dem Gemetzel entkommen konnten, behaupteten, die Propheten und ihre Anhänger hätten die Leichen der Gefallenen verspeist, während die Aasbestien das Fleisch von den Körpern der Besiegten rissen, nur damit diese durch die Macht der Nekromanten als geistlose und versklavte Kämpfer der Knochenhorden wiedererweckt werden konnten.

Die Streitkräfte der Finsternis setzten ihren Vormarsch tagelang ungehindert fort, während die anderen Rassen verzweifelt versuchten, ihre Streitkräfte von den Kriegen im Inneren abzuziehen und gegen die neue Gefahr einzusetzen. Schnell wurden neue Allianzen gegründet und alte Streitigkeiten beigelegt. Doch bereits am Ende der zweiten Woche hatten die Propheten ihre eigenen finsteren Reiche. Hinter ihnen zog sich eine Spur aus Toten und brennenden Städten. Leichname häuften sich zu Hunderten, und die Dämonen badeten im Blut ihrer Feinde. Der üble Gestank von Verwesung und Tod zog über das Land.

Von jeder Stadt aus konnte man Feuer sehen und Todesschreie hören. Auch in den Städten selbst hatten sich Lakaien versteckt gehalten. Sie krochen aus ihren Löchern hervor, töteten ihre Brüder und setzten in ihrer wahnsinnigen Blutgier Häuser und Festungen in Brand. Am Ende der dritten Woche marschierten alle Armeen der Welt, um sich der neuen Gefahr zu stellen.
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In seinem Turm weinte der Wahrhaftige König; seine Vision hatte sich erfüllt. Die Welt war in Flamen aufgegangen. Die Lakaien waren zurückgekehrt.

Das Zeitalter von Chronopia

"Es hieß einst, daß, wenn Blut vom Himmel regnet und schwarze Blitze das Firmament spalten, die Toten sich erheben und die Dämonen sich am Fleisch der Lebenden laben werden. Über Jahrhunderte ignorierten alle Rassen der Welt die alten Schriften. Die Lakaien waren zurückgekehrt und mit ihnen die Flammen der Hölle und die Grausamkeit einer Welt, die auf ihren Untergang zusteuerte. Das Traurige ist, daß nicht die Lakaien die Welt zerstören werden, sondern die Rassen selbst, mit ihren lächerlichen Intrigen, ihrem Argwohn und ihrem Verrat."
- Chronomant Gideon Nar, Ausgestossener des Dritten Turms

Es gibt Zeiten, in denen die alte Weltordnung zusammenbricht. In denen Geschichte geschrieben wird. In denen Helden geboren werden. Diese Zeit ist jetzt gekommen. Im ganzen Land herrschen Krieg und Schrecken. Nirgendwo ist man sicher. Keiner kann sich der Aufforderung, nach den Waffen zu greifen, widersetzen. Dreihundert Jahre des Verrats haben das Vertrauen zwischen den Rassen zerstört und Haß zwischen ihnen gesät. So sehr, daß sie selbst in ihrer dunkelsten Stunde nur mit einer Hand die Hilfe des Nächsten annehmen, um mit der anderen noch fest den Dolch zu umklammern.

Nunmehr zwei Jahrzehnte sind seit dem Tag des Schreckens und dem Erscheinen der Lakaien vergangen. In weniger als einer Generation der Erstgeborenen hat sich die Welt dramatisch verändert. Sie ist nicht mehr wiederzuerkennen. Die Propheten der Finsternis nutzten ihren Überraschungsvorteil mit vernichtender Brutalität. So viel ging verloren. So viele starben.

Die alte Stadt der Erstgeborenen, Versurvia, deren marmorne Straßen sogar den Sturz des Ersten Königreiches überstanden hatten, wurde bei einem Angriff durch Negrals Streitmächte völlig zerstört. Nur wenige Tage nach dem ersten Sturmangriff waren die einst so edlen Straßen blutüberschwemmt und übersät mit den Leichen der Gefallenen. Elfen, Erstgeborene und Zwerge kämpften hier zum ersten Mal Seite an Seite. In einer Kathedrale trafen sich Abordnungen, um über eine Allianz zu beraten. Der Angriff kostete sie alle das Leben. Nein, mehr als das. Ein Späher der Erstgeborenen, der sich der Stadt genähert hatte, berichtete, daß die Stadt den Nekromanten und ihren Aasbestien als Geschenk überlassen worden war. Als die Mauern fielen, begannen die Aasbestien mit ihrer Arbeit. Sie fielen über die Toten her, fraßen ihr Fleisch und benutzten ihre finsteren Fähigkeiten, um die Skelette wiederzubeleben. Die gesamte Stadt, die einst ein Born des Lebens war, wurde nun zu einer Heimat für die Legionen der Knochenhorde. Und sie blieben nicht.

Der Ogerkaiser schickte seinen eigenen Bruder Burbaal, um die Lakaien anzugreifen und aus den Ländern der Schwarzblüter zu vertreiben. Burbaal führte eine stolze Armee an. Goblinschützen aus den Salzsümpfen, orkische Kavallerie aus den Steppen des Südens, Troll-Blutrausch und mehr. Nicht einer kehrte zurück, das heißt zumindestens nicht lebendig! Seine gesamte Armee wurde am Makila-Paß vernichtet, nur um als Knochenhorde auf der Seite der Lakaien wiederzukehren. Bis zum heutigen Tag führt der Bruder des Kaisers, heute ein Skelettkommandant, die Streitkräfte der Lakaien gegen seinen Bruder.

Der Wahrhaftige König, dessen Mißtrauen gegenüber den anderen Rassen nur von seinem Haß auf die Lakaien übertroffen wird, schickte auf seiner Suche nach Verbündeten gegen die Horden der Finsternis Botschafter zu allen Königshäusern der Welt. Gleichzeitig verstärkte er den Schutz seiner Grenzen gegen die anderen Rassen, nur allzu gut wissend, daß jederzeit eine der Rassen angreifen könnte.

Mittlerweile scheint es, daß die ganze Welt von Frieden, Allianzen oder sogar gemeinsamen Kreuzzügen gegen die Lakaien spricht. Gleichzeitig ziehen die Herrschenden jedoch alle Mittel und Wege in Betracht, die jeweiligen Schwächen ihrer Nachbarn auszunutzen. Der junge und edle Herzog Heliac brütet auf seinem Sonnenthron noch immer über den Verrat des Hauses der Schwarzen Schlange und sucht seinen Verdacht zu unterdrücken, daß sein eigener Halbbruder Valymir für den Tod seines Vaters verantwortlich ist. Er versucht, den Gerüchten kein Gehör zu schenken, denen zufolge Valymir und Cylia mit Dienern der Lakaien gesehen wurden. Schließlich würde kein Elf jemals seine Brüder an den Finsteren verraten ... Heliacs neue Verbündete, die Zwerge vom Clan der Wölfe, führen eine nicht enden wollende Schlacht gegen die Lakaien. Kahlin Kag'n, der Erste Hüter und der größte Held in der Geschichte der Zwerge, ist tot. Sein Herz brach, als er von dem Verrat der Erstgeborenen erfuhr, die er einst großgezogen hatte. Die Kreaturen Alehas wurden schon beim Angriff auf Streitkräfte der Zwerge gesichtet, Seite an Seite mit den Söldnern vom Clan der Geier. Obwohl Kag'n nicht mehr unter den Zwergen weilt, werden seine vier Söhne nicht eher ruhen, bis der letzte Lakai hingerichtet wurde.

Auf dem Meer liegt die zerstörte Ringfeste ihrer alten Blutsbrüder, der Zwerge des Drachenclans. Seine wenigen Überlebenden haben Herzog Valymir die Treue geschworen. Die Kinder Kag'ns indes haben den Verrat des Elfenherzogs nicht vergessen. Ihr Vater erzählte die Geschichte des Massakers am Clan der Drachen unzählige Male - und ihr Mißtrauen gegenüber Valymir ist größer als je zuvor. Sie würden ihn angreifen und sein Verbrechen rächen, doch wie würden die anderen Elfenhäuser reagieren? Würden sie sich gegen ihre Brüder erheben, neutral bleiben, oder würde ein Angriff Valymitr nur in die Hände spielen und ihm eine weitere Möglichkeit liefern, seine Macht zu vergrößern? In ihrer Ringfeste warten und planen die Dunklen Hauer. Sie warten auf den richtigen Moment zum Handeln.

In Kharabad sitzt Nisar Blutband noch immer auf dem Blutthron. Negrals Knochenhorden bedrängen ihn noch immer aus dem Norden, während der Wahrhaftige König im Westen sowohl Bündnispartner wie auch ein potentieller Verräter ist. Kann Nisar nach Jahrhunderten von Verrat und Krieg tatsächlich dem alten Feind seines Volkes beim Kampf gegen die Lakaien vertrauen - und waren die Lakaien nicht auch einst Erstgeborene? Wäre es nicht möglich, daß beide einem gemeinsamen Plan folgen und nur versuchen, die anderen Rassen zu schwächen, bevor sie ihre Armee vereinigen, um die Weltherrschaft an sich zu reißen? An seinem Hof mißtraut Nisar sogar seinen eigenen Todessuchern. Wenn er bereit war, zu töten, um an die Macht zu gelangen, warum sollten andere es nicht sein?

Um am Rande der Welt lauern die Lakaien. Ihre Herzen sind schwarze Löcher und gieren noch immer nach Vergeltung für den Verrat des Wahrhaftigen Königs. Sie bringen ihren Herrn die Unschuldigen in Scharen als Opfer dar, erwarten sehnsüchtig den Tag, an dem sie das Reich der Erstgeborenen erobern und den königlichen Palast zermalmen können. Negral und die anderen Propheten berichten ihren Streitkräften schon jetzt von dem Tag, an dem ein Nekromant den Palast der Erstgeborenen betreten und ihn mit dem Wahrhaftigen König als Skelettdiener wieder verlassen wird. Der Wahrhaftige König als Knecht der Lakaien, für alle Ewigkeit.

Ein verzweifelter Schrei nach Frieden und Hoffnung, gellt über alle Länder der Welt, doch nirgendwo ist ein Licht zu sehen. Ein neues Zeitalter ist angebrochen. Doch anders als die alten Schriftrollen es vorhersagten, ist dies kein glorreiches Zeitalter des Friedens, sondern eine Ära der Rachgier und der zahllosen Bluttaten. Ein Zeitalter brennender Städte und gewaltiger Armeen, die unter Donnerkrachen auf blutgetränkten Schlachtfeldern aufeinanderprallen. Alle Rassen kämpfen um ihr nacktes Überleben. Die Worte Überleben und Krieg haben jetzt eine und dieselbe Bedeutung. Leben heißt töten und töten heißt leben. Womöglich wird eines fernen Tages ein neues Zeitalter anbrechen, doch im Moment existieren nur Krieg Blutvergießen, Verrat und Hinterlist.

Von seinem Turm der Ewigkeit im Herzen des Königreichs der Erstgeborenen sah der Wahrhaftige König all dies kommen. Seine Pläne, die er über drei Jahrhunderte hinweg schmiedete, haben das Schicksal nicht aufhalten können. Sie führten zu einer Welt, die überall vom Krieg gebeutelt wird. Diese Last wiegt schwer auf seinen Schultern, doch seine Seele ist aus Eisen und Feuer geschmiedet. Die Erstgeborenen werden nicht aufgeben, Nie wieder wird man sie versklaven. Die Welt mag brennen, doch in ihrer Mitte steht noch immer die prachtvollste Stadt der Welt, Geburtsort des Wahrhaftigen Königs und der Lakaien zugleich. Ein Ort von Intrigen und Schlachterei, von Verrat und Heimtücke, von Leid und Tod, Chronopia.

Schrei der Verdammten

Grekarn starb, Schwerter hatten seine Seite aufgeschlitzt. Die kalte Berührung der Lakaien umspielte seinen Geist. Ur das Gefühl des zweihändigen Schlachthammers und sein Verlangen nach Rache hielten ihn am Leben. Grekarn wirbelte seinen Hammer herum, als eine der abscheulichen Kreaturen, die sie die Gepeinigten nannten, in Richtung des Zwergenkriegers kroch, und er verzog nicht die Miene, als sein großer Hammer den gehörnten Kopf der Kreatur aufschlug und Hirn und Fleisch in sein Gesicht spritzten. Der Zwerg blickte sich um und schloß einen kurzen Moment lang seine Augen. Alles war verloren. Hoffnung, Friede, Sieg. Nichts blieb, nicht einmal der Tod. Von seinem günstigen Standort bei den großen Eisentoren der Stadt konnte er sehen wie das Feuer von Gebäude zu Gebäude wanderte. Die Schreie der Sterbenden und der Tod waren überall. Es war ein Massaker. Eines, bei dem er auf der falschen Seite stand. Ein anderer Gepeinigter schlug mit seinen Krallen nach ihm. Die großen Arme zogen den beinlosen Rumpf der Kreatur über den Boden. Ein entsetzlicher Anblick, und doch irgendwie von teuflischer Eleganz. Grekarn wartete bis zum letzten Augenblick und ließ seinen Hammer ein weiteres Mal kreisen. Diesmal schlug er der Kreatur den knochenartigen Kopf ab und mußte noch einmal nachsetzen, um zu verhindern, daß das Ding zu neuen Leben erwachte. Hinter dem Tor sah er einen Skelettkrieger, auf dessen Speer Symbole der Erstgeborenen eingraviert waren. Nach der Rüstung des Skeletts zu urteilen, hatte dieses Ding einen Tag zuvor noch auf der Seite der Verteidiger gekämpft. Bevor die Nekromanten ihr abscheuliches Werk verrichtet hatten. Davor hatte der Zwerg wirkliche Angst. Nicht Schmerz oder der Tod bereiteten ihm Angst, sondern das, was nach dem Tod mit ihm geschehen würde. Er hatte gesehen, wie die kleinen, dunklen Kreaturen über die Gefallenen hergefallen waren. Hatte gesehen, wie ihre messerscharfen Zähne und Krallen die Haut in Fetzen gerissen und die Helden in Skelette verwandelt hatten, die anschließend für die Lakaien kämpften. Es schien, als gäbe es keine Möglichkeit, diesem Schicksal zu entkommen. Besonders jetzt, wo nur noch so wenige Verteidiger am Leben waren. Wie konnte das passieren? Konnte es wirklich nur ein Tag gewesen sein? Ihre Hoffnung war so groß gewesen. Grekarn war mit den Zwergen seines Clans und seinem Hochkönig angereist, um mit Botschaftern der anderen Nationen über die Gefahr zu sprechen, die von den Lakaien ausging. Trotz jahrhundertelangen Blutvergießens und des Mißtrauens zwischen den Rassen schien man Fortschritte zu machen. Man sprach von Bündnissen. Die Lakaien stellten eine wirkliche Bedrohung dar und waren weit gefährlicher als alles, mit dem man es bisher zu tun gehabt hatte. Die Feierlichkeiten aus Anlaß des neuen Bündnisses sollten gerade beginnen, als man die ersten Hörner hörte. Es waren die Schreie verlorener Seelen, die Geräusche der Verdammten. Augenblicke später griffen die Lakaien an. Das war nun weniger als einen Tag her. Die Kämpfe hatten voller Zuversicht begonnen, daß es den neuen Bündnispartnern gemeinsam gelingen würde, die Lakaien abzuwehren. Sie hatten sich geirrt. Während der Morgendämmerung waren die Mauern gefallen, und seitdem wurden die gnadenlosen und zum Scheitern verurteilten Kämpfe in den Straßen der Stadt ausgetragen. Ob jung oder alt, alle hatten sie zum Schwert gegriffen. Frauen kämpften Seite an Seite mit alten Männern, denn sie alle wußten, da ihnen der sichere Tod bevorstand, falls sie nicht handelten. Mittlerweile würde Gerkarn beinahe seine Seele verkaufen, wenn er nur schon tot wäre. Neben ihm war der letzte Ritter der Erstgeborenen gefallen. Nun war er allein. Er fragte sich, ob er der letzte Überlebende war oder ob irgendwo in der Stadt noch eine andere arme, verdammte Seele gegen das Unausweichliche kämpfte und sich mit letzter Kraft an ihr Leben klammerte. Während er seinen Kopf zum blauen Himmel hob, begann er, sein Todeslied zu singen. Er steigerte sich langsam in einen Rausch hinein, als ihn die Skelettkrieger angriffen. Unzählige Knochen zerbarsten unter seinen Schlägen und untermalten die letzten Augenblicke seines Lebens mit einem beruhigenden Rhythmus. Eine fliegende Kreatur, erkannte ihren Namen nicht, stieß von oben auf ihn herab und zerkratzte Grekarns Kopf. Blut strömte sein Gesicht herab und raubte ihm einen entscheidenden Augenblick lang die Sicht. Er spürte etwas in seinen Magen eindringen. Gerkarn blickte herab und sah, wie ein Schwert seine Eingeweide aufschlitzte, eine Knochenhand, die das Schwert drehte, bevor sie es aus seinem Körper herauszog und zu seinem Kopf führte. Er spürte keinen Schmerz mehr. Grekarn schwang seinen Hammer und zertrümmerte zunächst die Klinge und anschließend den Schädel ihres abscheulichen Trägers. Als sein Mörder zusammenbrach, drang der Schmerz langsam durch. Der Gesang des Zwergs verstummte, und er krümmte sich. Als er zu Boden fiel, durchbohrten weitere Klingen seinen Körper. Das Leben wich aus seinem Körper. Der Schmerz wich der erlösenden Dunkelheit. Das letzte, was er sah, war ein Nekromant, der mit einem Schwarm hungriger Aasbestien herannahte. Als ihre Zähne sein Fleisch zerfetzten war er bereits tot - tot und verdammt.


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