
Adrian Smith Adrian Smith ist wohl die Person, der man wohl die meiste Verantwortung zu Lasten legen kann, wenn es um den Eindruck geht den Chronopia bei den meisten hinterlassen hat.
Seine Konzeptskizzen sind die Vorlagen der Modellierer und seine grandiösen Bilder für die Werke und die Zeitschrift stellen immer wieder einen besonderen Maßtab da der ihn schon vor dem Projekt Chronopia 1997 zu einem sehr guten Ruf in der Fantasyszene verholfen hat.
Nach dem Scheitern von Target Games und dem schlagartigen Ende von Chronopia und Warzone ging Adrian Smith zu Games Workshop zurück und sein Einfluß war auch dort schnell wieder erkennbar.
Hier ein interessantes Interview mit ihm, welches in der Chronicles #11 1998 veröffentlicht wurde.
Adrian Smith - Herr der Farben und des Lichts
Endlich, nachdem ich meiner Beute schon tagelang gefolgt war, schaffte ich es, Adrian festzunageln. Ich hatte mich stundenlang auf diese Begegnung vorbereitet. In meinem doch recht holprigen Englisch spulte ich die kurze Rede, die ich einstudiert hatte, herunter: "Adrian, glaubst du nicht, daß jetzt, da wir den ersten Teil deines Chronopia-Comics in den nächsten Chronicles bringen werden, der geeignete Moment für ein Interview wäre?" Nervös wartete ich auf seine Antwort. "Ja, klar. Klingt nach einer guten Idee." Ich traute meinen eigenen Ohren nicht. Ich hatte meine Beute festgenagelt, und hatte ihn mit meinem Charme dazu gebracht, daß er das Interview auch noch für eine gute Idee hielt.
Nachdem ich lange und gründlich darüber nachgedacht hatte, welche Fragen ich stellen würde nicht, setzte ich mich mit Notizbuch und Bleistift in der schweißnaßen Hand zu ihm. Es passierte wirklich. Nachdem ich nur eine kurze Zeit im Studio verbracht hatte, interviewte ich wirklich den Herrn der Farben und des Lichtes, Adrian Smith!

Adrian beim nächsten Chronopia Bild
Thomas: Auf den vorigen Seiten haben wir den ersten Teil des Chronopia-Comics abgedruckt, den du gemacht hast. Verrätst du uns, wie du auf die Idee für ein Comic kannst?
Adrian: Zu allererst war es ein guter Vorwand, die Welt von Chronopia zu erkunden, und zweitens war es eine Chance, vielleicht einen etwas anderen Blickwinkel auf eine der Rassen, die Lakaien, zu zeigen. Der Hauptgrund war aber die Tatsache, daß Comics eine Leidenschaft von mir sind, seitdem es durchgängig farbig illustrierte Hefte gibt. Da dachte ich, daß ich es einfach mal versuchen sollte.
Thomas: Wenn du an den Comics arbeitest, kommen die Ideen für die Dialoge von dir, von Pete (der den Text schreibt), oder ist es eine Coproduktion?
Adrian: Als ich den Comic vorschlug und die ersten beiden Farbseiten mitbrachte, hatte ich eine grobe Idee, wie die Geschichte laufen könnte. Aber inzwischen ist das in die mehr als fähigen Hände von diesem kleinen "Knuddelbeutel" Pete Flannery übergegangen. Er wird sicherlich super Arbeit leisten! Seit also auf die Fortsetzung gespannt.
Thomas: Ich muss zugeben, daß ich mich, während ich deine wirklich beeindruckenden Zeichnungen ansah, schon öfter gefragt habe: "Wie um alles in der Welt kam er auf diese Idee?" Wie um alles in der Welt KOMMST du auf all diese abgefahrenen Monster und anderen Mißgeburten? Wo kriegst du deine Inspirationen her? Adrian: Wenn ich mich an ein Bild mache, habe ich normalerweise schon eine ziemlich deutliche Vorstellung davon, wie es aussehen soll. Aber die Arbeit mit einem Designteam hilft mir sehr, da wir uns hier die Ideen gegenseitig zuspielen können. Obwohl sie wissen, was passiert, wenn ihnen meine Ideen am Schluß nicht gefallen! Manche Entwürfe oder Illustrationen sind einfacher als andere. Im Allgemeinen kann man sagen, daß es besser wird je absurder es ist. Es war schon etwas schwieriger, den Gepeinigten zum Stillstehen zu bewegen, aber nach ein paar "Unschuldigen" hat er sich dann wirklich gut benommen.
Bei Inspirationsquellen müßte man Clive Barker, Tolkien, Michael Moorcock und Ian Banks als einige meiner Lieblingsschriftsteller aufzählen, aber was Zeichner und Künstler angeht, gibt es einfach zu viele, um sie in irgendeine Reihenfolge zu bringen.
Thomas: Wenn du ein neues Bild malst, womit fängst du an?
Adrian: Ich richte mich zuallererst danach, welche Fähigkeiten des Charakter im Spiel hat. Dann zeichne ich ein paar Entwürfe und schaue, welcher den Jungs am besten; falls sie sich für den Falschen entscheiden, raste ich aus und mache dann sowieso, was ich will (grinst).
Thomas: Verwendet du irgendwelche besonderen Techniken?
Adrian: Ich verwende keine bestimmte Technik. Jedes Vorhaben und jede Idee verlangt eine andere Herangehensweise.
Thomas: Alle, die schon seit ein paar Jahren spielen, wissen daß du bereits einen sehr guten Namen in der Branche hast, obwohl du erst 28 bist. Wie bist du eigentlich in die Spielindustrie reingerutscht, wann und warum?
Adrian: Ich fing bei Games Workshop an, wo ich hauptsächlich an Realms of Chaos arbeitete. Nach einigen Jahren im Studio dachte ich, ich könnte es auch als Freiberufler versuchen. Während dieser Zeit machte ich Titelbilder für ein britisches Comic namens "Toxic". Dann traf ich diesen elenden schottischen Taugenichts (den Mann, den wir als John Robertson kennen - Hrsg.), zog nach Edinburgh und stieg bei Fantasy Forge ein. Danach ( und nach einigen anderen Sachen) machte ich das Leviathan-Buch und einige Entwürfe für Grendel. Dazu kamen ein paar Karten für Magic-The Hatering, einige schwarz/weiß-Comics für Iron Hammer Graphics (sie basieren auf nordischen Mythe und Legenden).
Nach ein paar anderen Sachen fing ich mit schwarz/weiß-Zeichungen für Drakar och Demoner (unser erstes Rollenspiel, das wir nach 15 Jahren immer noch herausgeben. Bedauerlicherweise ist es immer noch nur auf Schwedisch erhältlich - Hrsg.) an, was mich dahin führte, wo ich jetzt bin.
Thomas: Und jetzt arbeitest du für uns. Wie gefällt es dir hier im Studio?
Adrian: Ich liebe es, hier im Studio zu arbeiten! Es ist eine tolle Umgebung zum Arbeiten, und der Rest des Teams ist einfach phantastisch!
Thomas: Vielleicht solltest du unseren Lesern etwas mehr darüber erzählen, wie dein Job eigentlich aussieht.
Adrian: Meine Aufgabe ist es, neue Konzepte zu entwerfen. Dabei habe ich normalerweise keine Vorgaben. Aber ich arbeite auch an bereits existierenden Ideen und entwickle dabei nacheinander das Flair jeder Rasse. So wie die Starved, eine von Daves Schöpfungen für die Stygianer. Dadurch gebe ich Leuten, wie Roy und den anderen Modellbauern, etwas Greifbares, das sie in ihre Figuren einarbeiten können. Obwohl ich sagte, daß ich als Teil des Teams arbeite, muß ich auch darauf achten, daß keiner im Studio zu unproduktiv ist, wenn ich in der Nähe bin ...
Thomas: Was macht dir am meisten Spaß bei deiner Arbeit?
Adrian: Der größte Kick ist natürlich, wenn ich sehe, wie Sachen von mir veröffentlicht werden. Aber auch, wenn ich sehe, wie aus Ideen Realität, also Figuren für das Spiel, werden, gibt mir das etwas. Aber alleine schon die Tatsache, daß ich in dieser Umgebung arbeiten kann, bedeutet mir eine Menge.
Thomas: Ich glaube, daß dies der größte Anreiz für die meisten von uns ist, die in dieser Branche arbeiten. Wenn wir schon von Spielen reden: Du bist bekannt für deine Playstation und für dein Talent für Videospiele, aber spielst du auch irgendwelche anderen Spiele? Und welche?
Adrian: Von Spielen wie Twisted Metal 2 und anderen Playstation Spielen abgesehen, interessiere ich mich hauptsächlich für Miniaturenspiele.
Thomas: Hast du dir je überlegt, warum du Miniaturenspiele magst? Grübelst du lieber über neue Taktiken für deine Armeen nach, oder stehst du mehr, wie ich, darauf, sehr viele bemalte Miniaturen auf einem Tisch zu sehen, der mit tollen Modellterrain ausgestattet ist?
Adrain: Ja, der Hauptgrund ist wahrscheinlich, Miniaturen auf dem Tisch zu sehen und sie bewegen zu können. Deine Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Aber ich versuche auch taktisch zu spielen, obwohl ich normalerweise keinen großen Erfolg damit habe, vor allem hier im Studio, da hier alle betrügen. (Ich nicht - Hrsg.).
Thomas: Hast du dir schon überlegt, für welche Armee Du dich bei Chronopia entscheidest?
Adrian: Ja, ich will sie alle. Falls ich mich entscheiden müßte, würde ich die Schwarzblüter oder die Lakaien nehmen.
Thomas: Ich persönlich mag die Erstgeborenen lieber, da Mark wirklich gute Menschenminiaturen geschaffen hat. Gibt es irgendwelche bestimmten Gründe für deine Wahl.
Adrian: Ich mag eine Armee mit Biß!
Thomas: Was für Pläne hast du für die Zukunft? Wirst du in zehn Jahren immer noch dein Lebensunterhalt mit Spielen verdienen?
Adrian: So lange alles klar geht und sie nicht irgendwann die Nase voll von mir haben, plane ich, meinen letzten Atemzug am Zeichenbrett zu tun. Ich bin mir sicher, das hat hier jeder vor!
Thomas: Ja, vielleicht davon abgesehen, an deinem Zeichenbrett zu sterben, bin ich mir ziemlich sicher, daß du recht hast.
Und dann war meine kleine Unterhaltung mit Adrian vorbei, woraufhin er zurück ans Zeichenbrett ging. Es war gar nicht so schlimm gewesen. Etwas schon, aber nicht allzu sehr. Ich war erleichtert, daß die ganze Angelegenheit so glatt über die Bühne gegangen war. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, daß Dave und ich nur wenige Tage später nach einem Kneipenbummel noch bei Adrian aufschlagen sollten. Ratet mal wer bei Twisted Metal 2 in den Arsch getreten bekam? Meine Wenigkeit. Adrian Smith ist weiterhin der ungeschlagene Target-Champion bei Twisted Metal 2.
Anmerkung:
Man blättert zum ersten Mal im Grundregelwerk der 1.Edition und anstatt zu lesen, schaut man sich nur die Bilder an. Nein.. keine Bilder von Figuren, sondern die finsteren und zum Teil monumentalen Bilder von Adrian Smith und einigen anderen Zeichner.
Speziell der Erstere hat das Bild von Chronopia in den Köpfen tausender Spieler so stark geprägt wie kein Anderer. Seine Bilder, zusammen mit den guten Geschichten, machen die Werke der ersten Edition zu Kleinodien der TableTop Literatur, welche dieses Niveau nie wieder erreichten.
Seine Bilder zeugten von der Düsternis genauso wie von der Dynamik, welche in der Fantasywelt von Chronopia inne wohnt und dieses Vermächtnis trägt Chronopia bis heute noch mit sich und macht einen Großteil seines Glanzes aus.